Das Chikungunya-Virus kann sich in Europa bei deutlich niedrigeren Temperaturen ausbreiten als bisher bekannt. Das zeigt eine neue Analyse eines Forschungsteams um Sandeep Tegar vom britischen Centre for Ecology & Hydrology, die im Fachjournal „Interface“ der Royal Society veröffentlicht wurde.
Demnach liegt die Temperaturschwelle für eine Übertragung durch die Asiatische Tigermücke bei etwa 14 Grad Celsius – rund 2,5 Grad niedriger als frühere Schätzungen. Tegar bezeichnete diesen Unterschied als „ziemlich überraschend“.
Damit wäre eine Verbreitung im Juli und August in weiten Teilen Europas möglich, in Südeuropa sogar von Mai bis November. Zu den Hochrisikogebieten zählen Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Spanien und Portugal. Deutschland wird als Gebiet mit mittlerem Risiko eingestuft.
Chikungunya verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen, die bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen noch Jahre anhalten können, wie Diana Rojas Alvarez von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte. Tödliche Verläufe sind selten, gefährdet sind vor allem chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge.
Fälle rücken näher an die deutsche Grenze
Im vergangenen Jahr kam es in Frankreich und Italien zu großflächigen Ausbrüchen mit Hunderten Fällen. Infektionen wurden nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt registriert. Eine lokale Übertragung in Deutschland ist bisher nicht bekannt - das könne sich aber bald ändern.
Die Asiatische Tigermücke, Hauptüberträgerin des Virus, breitet sich seit 2007 von Südeuropa nordwärts aus. In Deutschland kommt sie vor allem entlang des Rheins und in Berlin vor. Steven White vom UKCEH warnte, dass die bislang schützenden kalten Winter zunehmend wegfielen: „Wir gehen davon aus, dass es zu deutlich größeren Ausbrüchen kommen wird.“
Laut dem Europäischen Zentrum für Krankheitsprävention (ECDC) nehmen durch Mücken übertragene Virusinfektionen in Europa jährlich um durchschnittlich 25 Prozent zu. Die WHO betonte, Europa habe noch die Chance, die Ausbreitung einzudämmen – durch Beseitigung von Brutstätten, Schutzkleidung und Insektenschutzmittel. Zwei Impfstoffe existieren, sind aber noch nicht weit verbreitet.


