Im Iran sind die Proteste gegen das Regime trotz des harten Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte und einer inzwischen seit mehr als 36 Stunden andauernden Internetblocke weitergegangen. Am Freitagabend versammelte sich wieder eine große Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran, wie von der Nachrichtenagentur AFP verifizierte Videos zeigten. Auch in anderen Städten soll es Proteste gegeben haben. Es gibt auch Berichte über Tote.
In einem Bezirk der Provinz Teheran sollen derweil 100 Menschen festgenommen worden sein, wie der örtliche Gouverneur der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim mitteilte, die den iranischen Revolutionsgarden nahesteht. Den Festgenommenen wird demnach vorgeworfen, in dem Bezirk Baharestan die „öffentliche Ordnung gestört“ sowie „Schusswaffen und Hieb- und Stichwaffen gegen die Bevölkerung sowie gegen Sicherheits- und Ordnungskräfte“ eingesetzt zu haben.

Moschee laut Augenzeuge in Brand gesetzt
Die Demonstrierenden im Stadtteil Sadatabad schlugen auf Töpfe und riefen Sprechchöre wie „Tod Chamenei“, die sich gegen das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei richteten.
Auch in anderen Stadtteilen Teherans gab es Proteste, wie auf weiteren Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Persischsprachige Exilsender zeigten auch Bilder neuer Proteste in anderen iranischen Städten, darunter Maschhad im Osten des Landes, Täbris im Norden und Kom südlich von Teheran.
Ein Bewohner von Saada’t Abad, einem wohlhabenden Stadtteil im Norden Teherans, berichtete laut der New York Times, dass Menschenmengen zudem eine Moschee in Brand setzten und dabei die traditionelle, royalistische Flagge trugen, die von der Regierung von Schah Mohammed Reza Pahlavi verwendet wurde, die 1979 durch die Islamische Revolution gestürzt wurde.
Videos des reformorientierten Aktivistenportals IranWire zeigen, wie Frauen am Freitag tagsüber in der südostiranischen Stadt Tschahbahar (Chabahar) marschieren und dabei Slogans rufen wie: „Tod dem Diktator“ und „Armut, Korruption, steigende Preise – wir machen weiter bis zum Sturz [des Regimes].“
Internet-Blockade dauert an
In der Nacht zum Freitag war es im Iran zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle vor fast zwei Wochen gekommen. In mehreren Städten richteten Demonstrierende wütende Slogans gegen die religiöse und politische Führung des Landes. Landesweit wurde daraufhin von den Behörden das Internet abgeschaltet. Laut der Internetüberwachungsgruppe NetBlocks am Freitagmorgen dauert der Ausfall inzwischen mehr als 36 Stunden.
⚠️ Update: It's now 8:00 am in #Iran where the sun is rising after another night of protests met with repression; metrics show the nationwide internet blackout remains in place at 36 hours, severely limiting Iranians' ability to check on the safety of friends and loved ones 📵 pic.twitter.com/OYqJLsxKUK
— NetBlocks (@netblocks) January 10, 2026
Trump und Chamenei drohen einander
Am Freitag reagierte das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, mit scharfen Worten auf die Massenproteste und rückte die Demonstranten in die Nähe des US-Präsidenten. An Donald Trump gerichtet sagte er, dessen Hände seien „mit dem Blut von mehr als tausend Iranern befleckt“. Wie die bis 1979 im Iran herrschende Schah-Dynastie sei Trump „arrogant“ und werde „gestürzt“. Chamenei warf den Demonstranten vor, „ihre eigenen Straßen zu zerstören, um den Präsidenten eines anderen Landes glücklich zu machen“
Trump wiederholte am Freitag seinerseits die Warnung, dass die USA den Demonstranten zur Hilfe kommen würden. sollten die Regime-Kräfte sie töten. „Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen – und sie haben viele Unruhen – häufig tun“, sagte er in einem Radiointerview. Zuvor hatte er gesagt, die USA seien „schussbereit“.
Arzt berichtet von mehr als 200 Toten
Nach Angaben des US-amerikanischen Time-Magazins sollen bei den Protesten in Teheran bereits rund 200 Menschen „durch scharfe Munition“ ums Leben gekommen. Das berichtet das Magazin am Freitag unter Berufung auf Angaben eines Arztes in Teheran, wonach allein sechs Krankenhäuser 217 Tote gemeldet hätten. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen bislang nicht.
Die Proteste begannen als Demonstrationen in den Basaren Teherans gegen die steigende Inflation. Ihren Höhepunkt erreichten sie in der vergangenen Woche, als die Preise für Grundnahrungsmittel wie Speiseöl und Hähnchen über Nacht drastisch anstiegen und einige Produkte vollständig aus den Regalen verschwanden. (mit AFP)


