Nahost

Nato zieht gesamte Mission aus dem Irak ab

Die Nato verlegt wegen des Iran-Krieges internationales Personal aus Bagdad. Bundeswehr-Soldaten kehren zurück nach Deutschland. Das ist der Grund.

Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, gab den Abzug der deutschen Bundeswehrsoldaten aus dem Irak bekannt.
Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, gab den Abzug der deutschen Bundeswehrsoldaten aus dem Irak bekannt.Kay Nietfeld/dpa

Die Nato hat angesichts des Iran-Kriegs ihre Beratungsmission im Irak vorübergehend geräumt und das gesamte internationale Personal aus Bagdad abgezogen. Wie das Bundesverteidigungsministerium am Freitag mitteilte, kehrten die deutschen Soldatinnen und Soldaten, die im Rahmen der Nato Mission Iraq (NMI) in Bagdad eingesetzt waren, bereits am Abend des 19. März nach Deutschland zurück.

Die Entscheidung zum Abzug traf laut Verteidigungsministerium der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa (SACEUR). Transportflugzeuge mehrerer Nato-Staaten flogen das Personal aus dem Irak in angrenzende Staaten. Die Bundeswehr beteiligte sich mit A400M-Transportflugzeugen und brachte nach einem Zwischenstopp in Jordanien sowohl eigenes als auch Personal anderer Partnernationen nach Deutschland.

Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte: „Ich bin erleichtert, dass unsere Soldatinnen und Soldaten sicher zurück in der Heimat sind.“ Die Rückverlegung sei unter „sehr riskanten Bedingungen“ und maßgeblicher Beteiligung der Bundeswehr durchgeführt worden. Pistorius hob die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Nato-Partnern hervor, insbesondere mit den USA als führender Nation.

Eine Nato-Sprecherin bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel die Anpassung der Präsenz. „Die Sicherheit unseres Personals hat oberste Priorität“, sagte sie und begründete damit auch die Zurückhaltung bei weiteren Details. Die Zusammenarbeit mit dem Irak werde aber fortgesetzt. Gegenüber Reuters erklärte Nato-Sprecherin Allison Hart, man arbeite „in enger Abstimmung mit Verbündeten und Partnern“.

Aus irakischen Regierungskreisen verlautete laut AFP, die Nato sei „wegen der Lage besorgt“. Es gebe „keine Meinungsverschiedenheiten“ mit der irakischen Regierung.

Hauptquartier der Mission liegt nahe der US-Botschaft

Das Hauptquartier der Nato-Mission befindet sich auf einem irakischen Militärstützpunkt in der sogenannten Grünen Zone Bagdads, in unmittelbarer Nähe der US-Botschaft. Diese war seit Beginn des Iran-Kriegs mehrfach Ziel von Angriffen.

Bei der NMI handelt es sich um eine 2018 auf Anfrage der irakischen Regierung eingerichtete Beratungsmission, die den Irak beim Aufbau seiner Streit- und Sicherheitskräfte unterstützt. Ziel sei es, die Stabilität im Land zu festigen und ein Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu verhindern. Die Nato will die Mission laut Verteidigungsministerium bis auf Weiteres von außerhalb des Irak fortführen.

Unabhängig vom Abzug der NMI nehmen weiterhin knapp 200 deutsche Soldatinnen und Soldaten im Raum Nordirak und Jordanien an den Einsätzen Counter Daesh und Capacity Building Iraq teil.