Drei Wochen nach Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran weitet sich der Konflikt immer stärker auf die gesamte Golfregion aus. In der Nacht zum Dienstag wurden Bewohner von Dubai und Doha laut der Nachrichtenagentur AP durch Explosionen geweckt, während die Luftabwehr beider Länder iranische Raketen und Drohnen abzufangen versuchte. Nahezu zeitgleich startete Israel nach eigenen Militärangaben eine „großangelegte Angriffswelle“ auf Teheran und intensivierte seine Luftangriffe auf Hisbollah-Stellungen in Beirut.
Iran nimmt Golfstaaten und Energieinfrastruktur ins Visier
Die iranischen Angriffe richteten sich in der Nacht gegen gleich mehrere Nachbarstaaten. Die Vereinigten Arabischen Emirate sahen sich gezwungen, vorübergehend ihren gesamten Luftraum zu sperren – ein Balanceakt für die Behörden, die gleichzeitig versuchen, den Betrieb der großen Fluggesellschaften Emirates und Etihad aufrechtzuerhalten, wie AP berichtete. In Abu Dhabi kam ein Mann durch herabfallende Trümmerteile einer abgefangenen Rakete ums Leben, laut Berichten der achte zivile Todesfall in den Emiraten seit Kriegsbeginn.
Besonders betroffen war erneut das Emirat Fudschaira an der Ostküste des Landes: Eine Drohne traf dort eine Ölanlage, wie die staatliche Nachrichtenagentur WAM meldete. Zudem wurde ein vor der Küste liegender Tanker von einem Geschoss getroffen, berichtete die britische Marinebehörde UKMTO – eines von mittlerweile rund 20 Schiffen, die seit Kriegsbeginn in der Region beschädigt wurden. In Katar löste ein abgefangenes Projektil einen Brand in einem Industriegebiet aus, teilte das katarische Verteidigungsministerium mit. Saudi-Arabien fing nach eigenen Angaben ein Dutzend Drohnen über seiner ölreichen Ostprovinz ab. Auch Israel wurde mit zwei Raketensalven auf Tel Aviv und Nordisrael beschossen.
Israel startet breite Angriffswelle
Israel reagierte mit massiven Gegenschlägen. Neben den Angriffen auf Teheran verstärkte das Militär seine Operationen gegen die Hisbollah im Libanon, wo bereits israelische Bodentruppen in den Süden des Landes vorgerückt sind. Generalstabschef Eyal Zamir erklärte bei einem Besuch an der Nordgrenze laut AP, die Armee sei „entschlossen, die Operation zu vertiefen, bis alle Ziele erreicht sind“.
Auch im Irak geriet die US-Botschaft in Bagdad erneut unter Beschuss. Laut CNN zeigen geolokalisierte Videos, wie Luftabwehrsysteme rund 600 Meter vom Botschaftsgelände entfernt Geschosse abfingen. Irakische Sicherheitsbeamte bestätigten AP, dass vier Drohnen abgefangen wurden. Eine pro-iranische Miliz veröffentlichte auf Telegram Drohnenaufnahmen, die einen Flug direkt über dem Botschaftsgelände zeigen.
Seit Kriegsbeginn starben im Iran laut dem Iranischen Roten Halbmond über 1300 Menschen. Im Libanon wurden nach Regierungsangaben rund 850 Menschen getötet und über eine Million vertrieben – etwa 20 Prozent der Bevölkerung. In Israel kamen zwölf Zivilisten durch iranischen Raketenbeschuss ums Leben. Die USA verzeichnen mindestens 13 gefallene Soldaten.
Ölkrise spitzt sich zu – Trump steht alleine da
Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts werden zunehmend spürbar. Irans faktische Blockade der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, treibt die Energiepreise massiv nach oben. Der Brent-Ölpreis stieg laut AP seit Kriegsbeginn um mehr als 40 Prozent auf über 100 Dollar pro Barrel. Seit Beginn der Kampfhandlungen wurden nach AP-Angaben rund 20 Schiffe in der Region getroffen. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte laut AP, die Meerenge sei „aus iranischer Sicht offen“ – allerdings nicht für die USA, Israel und deren Verbündete.
US-Präsident Donald Trump forderte laut AP mehrere Staaten auf, Kriegsschiffe zur Sicherung der Wasserstraße zu entsenden. Doch die Appelle verhallten: Die EU entschied sich laut CNN gegen eine Ausweitung ihrer Marineeinsätze, Japan und Australien erklärten, sie seien nicht angefragt worden und hätten keine entsprechenden Pläne.
Italiens Außenminister Antonio Tajani befürwortete lediglich eine Stärkung bestehender Missionen im Roten Meer. Großbritanniens Premier Keir Starmer sagte, sein Land werde sich „nicht in den größeren Krieg hineinziehen lassen“. Europäische Regierungen kritisierten laut AP, dass die USA und Israel keine klaren Kriegsziele definiert hätten, und bevorzugen eine diplomatische Lösung.
Die Weltwirtschaft steht damit vor wachsenden Risiken: steigende Energiekosten, drohende Nahrungsmittelengpässe in ärmeren Ländern und zunehmende Instabilität fragiler Staaten. Ein Ende der Eskalation ist derzeit nicht in Sicht.


