Untersuchung

Teslas Milliardenwette auf den Autopiloten steht auf dem Prüfstand

Ein aktuelles Video zeigt einen Tesla, der durch eine geschlossene Bahnschranke fährt. Nun musste der Konzern der Verkehrssicherheitsbehörde tiefgreifende Einblicke in seine Software gewähren.

Zukunftsmodell im Fokus: Teslas autonome Cybercab-Vision hängt an einer behördlichen Datenprüfung und der Regulierbarkeit des Assistenzsystems.
Zukunftsmodell im Fokus: Teslas autonome Cybercab-Vision hängt an einer behördlichen Datenprüfung und der Regulierbarkeit des Assistenzsystems.Jonas Ekströmer/imago

Der amerikanische Elektroautobauer Tesla sieht sich in diesen Tagen mit einer der wichtigsten Bewährungsproben seiner jüngeren Unternehmensgeschichte konfrontiert. Am gestrigen 9. März lief eine entscheidende Frist der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ab. Das Unternehmen von Elon Musk musste umfangreiche Unfalldaten und technische Protokolle zu seinem Fahrassistenzsystem Full Self-Driving einreichen.

Nachdem Tesla in den vergangenen Wochen bereits zweimal um einen Aufschub gebeten hatte, war die Geduld der Regulierungsbehörde offenbar erschöpft. Für den Konzern, dessen massiver Börsenwert stark auf dem Versprechen dieser fortschrittlichen Fahrerassistenz-Technologie ruht, steht nun viel auf dem Spiel.

Eine Untersuchung von gewaltigem Ausmaß

Die Untersuchung der NHTSA betrifft laut der Nachrichtenagentur Reuters rund 2,88 Millionen Tesla-Fahrzeuge, die mit dem System Full Self-Driving ausgestattet sind. Ausgelöst wurde die Überprüfung durch Berichte über Verkehrsverstöße bei aktiviertem Assistenzsystem, darunter das Überfahren von roten Ampeln, illegale Abbiegemanöver und sogar Fahrten im Gegenverkehr.

Brisant ist zudem ein passend zum Stichtag aufgetauchtes Video aus dem Raum Los Angeles, das zeigt, wie ein Tesla mit offenbar aktiviertem FSD-System ohne zu bremsen durch die Schranken eines geschlossenen Bahnübergangs fährt.

Die Behörde fordert nun detaillierte Informationen zu Dutzenden dokumentierten Zwischenfällen. Dazu gehören Videomaterial, Aufzeichnungen der Unfalldatenspeicher und sogenannte CAN-Bus-Daten, die Aufschluss darüber geben sollen, wie die Software in den entscheidenden Sekunden vor einem Verkehrsverstoß oder Unfall reagiert hat. Dabei betont Tesla selbst, dass es sich bei FSD (Supervised) um ein Assistenzsystem handelt, bei dem der Fahrer jederzeit aufmerksam bleiben und eingreifen muss.

Die technische und finanzielle Herausforderung

Tesla hatte im Vorfeld argumentiert, dass die Auswertung der Daten eine enorme Herausforderung darstelle. Das Unternehmen gab an, noch über 8000 Datensätze manuell überprüfen zu müssen, wobei man nur etwa 300 pro Tag bewältigen könne. Dieser bürokratische Engpass führte zu den wiederholten Fristverlängerungen vom ursprünglichen Termin im Januar über Ende Februar bis hin zum finalen Stichtag im März.

Sollte Tesla den Anforderungen der NHTSA nicht oder nur unzureichend nachkommen, drohen empfindliche Strafen von bis zu 139 Millionen US-Dollar. Für Tesla-Aktionäre ist jedoch nicht die potenzielle Geldstrafe das größte Risiko, sondern der mögliche Vertrauensverlust. Investoren blicken besorgt auf die Entwicklungen, da ein Großteil der aktuellen Tesla-Bewertung auf der Annahme basiert, dass das Unternehmen die Autonomie-Technologie zeitnah zur Marktreife bringt.

Besonders der Robotaxi-Service, der laut Reuters am 22. Juni 2025 in Austin als begrenzter Testbetrieb startete und im Januar 2026 auf erste Fahrten ohne Sicherheitsbeobachter ausgeweitet wurde, steht unter strenger Beobachtung.

Wachsende Skepsis und die Reaktionen des Marktes

Während Tesla selbst auf interne Daten verweist, laut denen das Assistenzsystem deutlich sicherer als ein durchschnittlicher menschlicher Fahrer sei, werden kritische Stimmen lauter. Marktdaten weisen auf teils nachlassende Sicherheitsmetriken in neueren Software-Versionen hin.

An der Börse spiegelte sich diese Unsicherheit in den vergangenen Tagen in spürbaren Kursverlusten der Tesla-Aktie wider, die zuletzt unter die Marke von 400 Dollar rutschte und auch am Stichtag vorbörslich weiter nachgab, da sich Anleger zunehmend mit Absicherungen eindecken. Die vollständige und schlüssige Offenlegung der Daten ist nun der einzige Weg für Tesla, den Regulierungsdruck zu mindern und die ehrgeizigen Pläne rund um Robotaxis und Künstliche Intelligenz zu untermauern.

Ob die eingereichten Dokumente die Zweifel ausräumen können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn die US-Behörde ihre Auswertung präsentiert.