Mehr als ein Jahrzehnt nach dem gescheiterten Fire Phone arbeitet Amazon offenbar an einem neuen Smartphone. Das Projekt trägt intern den Codenamen „Transformer“ und wird innerhalb der Geräte- und Dienste-Sparte des Konzerns entwickelt, wie Reuters unter Berufung auf vier mit der Sache vertraute Personen berichtet.
Das Gerät soll sich mit dem Sprachassistenten Alexa synchronisieren und Nutzer rund um die Uhr an das Amazon-Ökosystem binden – vom Einkauf über Prime Video bis hin zu Essensbestellungen bei Partnern wie Grubhub. Im Zentrum steht die Integration von Künstlicher Intelligenz, die herkömmliche App-Stores überflüssig machen könnte. Alexa soll eine zentrale Rolle spielen, aber nicht zwingend als Betriebssystem fungieren.
Das Vorhaben knüpft an eine langjährige Vision von Gründer Jeff Bezos an, der sich einen allgegenwärtigen sprachgesteuerten Computer nach dem Vorbild von „Star Trek“ wünscht.
Zweiter Versuch nach Scheitern des Fire Phones
Amazons erster Smartphone-Versuch endete im Jahr 2014 als einer der größten Fehlschläge des Konzerns, so Reuters. Das Fire Phone bot zwar eine kamerabasierte Einkaufsfunktion, litt aber unter einem eigenen Betriebssystem ohne gängige Apps, einem energiefressenden 3D-Kamerasystem und Überhitzungsproblemen. Trotz einer kostenlosen Prime-Jahresmitgliedschaft verkaufte sich das Gerät so schlecht, dass Amazon den Preis von 649 auf 159 Dollar senkte und es nach 14 Monaten einstellte – bei einem Verlust von 170 Millionen Dollar, wie Reuters berichtet.
Geleitet wird das neue Projekt von der erst ein Jahr alten Gruppe ZeroOne unter J Allard, einem ehemaligen Microsoft-Manager, der an Xbox und Zune beteiligt war. Das Team hat den Auftrag, neuartige Geräte zu entwickeln. Laut Reuters prüft Amazon sowohl ein klassisches Smartphone als auch ein reduziertes „Dumbphone“ nach dem Vorbild des minimalistischen Light Phone, das als Zweitgerät neben iPhone oder Galaxy dienen könnte.
Analyst Colin Sebastian von R.W. Baird hält einen erneuten Versuch für machbar, warnt laut Reuters aber: „Amazon muss Verbrauchern einen überzeugenden Grund liefern, ihr Telefon zu wechseln – und die Leute hängen ziemlich an den bestehenden App-Stores.“
Die Herausforderungen sind groß: Apple und Samsung kontrollieren laut Counterpoint Research zusammen rund 40 Prozent des Weltmarkts. Zudem prognostiziert IDC für 2026 den stärksten Rückgang bei Smartphone-Auslieferungen aller Zeiten – ein Minus von 13 Prozent, ausgelöst durch steigende Speicherchip-Preise. Ob das Projekt tatsächlich zur Marktreife gelangt, ist offen. Die Quellen weisen darauf hin, dass es bei strategischen Änderungen oder finanziellen Bedenken eingestellt werden könnte. Amazon selbst wollte sich laut Reuters nicht äußern.


