Ob als Frühstücksei, Rührei oder Spiegelei – Eier gehören fest zum Speiseplan der Deutschen. Gleichzeitig hält sich hartnäckig die Warnung, zu viele Eier seien schädlich und würden den Cholesterinspiegel gefährlich erhöhen. Mehrere Experten und eine wissenschaftliche Studie zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt nach wie vor, nicht mehr als drei Eier pro Woche zu verzehren. Doch diese Richtlinie steht im Widerspruch zu den Einschätzungen mehrerer Mediziner. Der Münchner Kardiologe Prof. Dr. med. Sigmund Silber erklärte gegenüber welt.de, dass das Cholesterin im Eidotter die körpereigene Cholesterinproduktion praktisch nicht beeinflusse. Diese finde ohnehin in der Leber und teilweise im Gehirn statt. Bei gesunden Menschen halte der Körper den Cholesterinspiegel unabhängig von der Nahrungszufuhr konstant – ein Ei mehr oder weniger mache daher keinen Unterschied.
Noch deutlicher formulierte es Ernährungsexperte Dr. Riedl gegenüber fitbook.de: Selbst zehn bis fünfzehn Eier pro Woche seien kein Problem. Allerdings knüpfte er dies an eine Bedingung: Der Verzehr in dieser Menge sei nur unbedenklich, wenn keine rheumatischen Erkrankungen oder Fettstoffwechselstörungen vorliegen, die zu einem chronisch erhöhten Cholesterinspiegel führen.
Studie belegt positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System
Wissenschaftliche Daten stützen die Einschätzung der Mediziner. Im Jahr 2018 veröffentlichten Forscher aus China und Großbritannien im BMJ Journal eine Langzeitstudie, die dem Ei ein überraschend gutes Zeugnis ausstellte: Demnach hat der tägliche Eierkonsum sogar positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System.
Neben dem Cholesterin-Vorwurf belasten auch Bedenken wegen Kalorien, Dioxinbelastungen und Salmonellenrisiken den Ruf des Eis. Dabei wird oft übersehen, was Eier an wertvollen Inhaltsstoffen liefern: Sie enthalten zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Jod sowie hochwertiges Eiweiß. Darüber hinaus steckt in ihnen Lecithin – ein Stoff, der die Gedächtnisleistung verbessern und die Nerven stärken soll.
Das Cholesterin befindet sich ausschließlich im Eidotter, nicht im Eiweiß. Wer also nur das Eiweiß verzehrt, nimmt kein Nahrungscholesterin auf – muss aber auf viele der genannten Nährstoffe verzichten.
Zusammengefasst lässt sich sagen: Für gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen spricht nach aktuellem Wissensstand wenig dagegen, mehr als die von der DGE empfohlenen drei Eier pro Woche zu essen. Wer allerdings unter Fettstoffwechselstörungen oder rheumatischen Erkrankungen leidet, sollte seinen Eierkonsum mit dem behandelnden Arzt abstimmen.


