Wie aus einer Mitteilung des aserbaidschanischen Außenministeriums hervorgeht, haben Russland und Aserbaidschan die Folgen des Absturzes eines Passagierflugzeugs der Azerbaijan Airlines (AZAL) vom 25. Dezember 2024 geregelt. In einer gemeinsamen Erklärung vom Mittwoch teilten die Außenministerien beider Länder demnach mit, dass sie sich auf Entschädigungen geeinigt hätten.
Die Erklärung führt den Absturz der Embraer 190 nahe der kasachischen Stadt Aktau auf das „unbeabsichtigte Auslösen eines Luftabwehrsystems im Luftraum der Russischen Föderation“ zurück. Beide Seiten benennen die Ursache damit erstmals gemeinsam in einem offiziellen Dokument. Angaben zur Höhe der Entschädigungen oder zu den konkreten Empfängern enthält die Erklärung nicht.
⚡️ In line with the agreements reached by Presidents of Russia & Azerbaijan, the Sides have resolved the consequences of the 2024 AZAL Embraer 190 crash near Aktau.
— MFA Russia 🇷🇺 (@mfa_russia) April 15, 2026
This reaffirms the shared commitment to develop allied #RussiaAzerbaijan cooperation.https://t.co/wrGwe2zrUi pic.twitter.com/y13aF6mUtq
Bei dem Unglück kamen 38 der 67 Menschen an Bord ums Leben, darunter sechs Bürger Kasachstans. Die Maschine war auf dem Weg von Baku nach Grosny, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Nach mehreren gescheiterten Landeversuchen in Grosny wurde das Flugzeug über das Kaspische Meer umgeleitet und stürzte rund drei Kilometer vor dem Flughafen von Aktau ab, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.
Seit dem Absturz war das Verhältnis zwischen Moskau und Baku deutlich belastet. In Russland kam es laut zu Razzien und Festnahmen aserbaidschanischer Staatsbürger, in Aserbaidschan wurden russische Kulturveranstaltungen abgesagt und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen angedroht.
Putin räumte im Oktober 2025 Verantwortung ein
Grundlage der Einigung war laut der Erklärung ein Treffen der Präsidenten Wladimir Putin und Ilham Alijew am 9. Oktober 2025 in Duschanbe. Bei diesem Treffen hatte Putin laut AP erstmals öffentlich eingeräumt, dass russische Luftabwehrraketen den Absturz verursacht hatten. Zwei Raketen, die gegen eine ukrainische Drohne abgefeuert worden seien, seien wegen einer „technischen Fehlfunktion“ in etwa zehn Metern Entfernung vom Passagierflugzeug detoniert, sagte Putin laut AP. Er sicherte Entschädigungen und eine rechtliche Bewertung der Handlungen der Verantwortlichen zu.
Das Treffen in Duschanbe stand für einen vorsichtigen politischen Neustart. Alijew dankte Putin für die Informationen und die persönliche Begleitung der Ermittlungen, gratulierte ihm zum Geburtstag und sprach vom freundschaftlich verbundenen russischen Volk. Beide Präsidenten betonten, ihre Gespräche sollten in beiden Ländern positiv aufgenommen werden. Seit Beginn des Ukrainekrieges versucht die Führung in Baku einen außenpolitischen Balanceakt zwischen Russland und dem Westen.
Ermittler fanden Raketenteile in der Maschine
Bereits kurz nach dem Absturz hatten aserbaidschanische Ermittler laut Reuters festgestellt, dass die Maschine von einem russischen Pantsir-S-Luftabwehrsystem getroffen worden war. Ein kasachischer Zwischenbericht vom Februar 2025 dokumentierte laut Reuters zahlreiche Einschusslöcher im Rumpf und „fremde Metallobjekte“ im Leitwerk. Ein ranghoher aserbaidschanischer Regierungsvertreter erklärte Reuters damals, Baku besitze ein Fragment einer Pantsir-S-Rakete, das durch internationale Expertise identifiziert worden sei.
Im Januar 2026 verschärfte sich der Streit erneut, nachdem aserbaidschanische Medien über ein Schreiben des russischen Ermittlungskomitees berichtet hatten. Darin kündigte dessen Chef Alexander Bastrykin an, die strafrechtlichen Ermittlungen zum Absturz einzustellen. Aus Sicht Bakus blieb damit eine zentrale Forderung unerfüllt: die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Aserbaidschans Außenminister Jeyhun Bayramov erklärte daraufhin, dieser Schritt werfe ernste Fragen auf. In Baku regte sich vor allem Unmut darüber, dass Moskau zwar politische Signale der Annäherung aussandte, eine Bestrafung der Verantwortlichen aber ablehnt.
Am 2. März 2026 hatte der russische Vizepremierminister Alexej Owertschuk nach einem Treffen mit Alijew in Baku erklärt, Russland und Aserbaidschan hätten sich auf „weitere Schritte zur Lösung aller Probleme“ verständigt, wie Interfax meldete. Aserbaidschan hatte nach dem Absturz auf einem vollständigen Schuldeingeständnis, Entschädigungen und der Bestrafung der Verantwortlichen bestanden. Alijew hatte laut Wedomosti auch eine Klage gegen Moskau in Aussicht gestellt.
Beide Außenministerien sprachen den Angehörigen der Opfer in der Erklärung erneut ihr Beileid aus und betonten den „beiderseitigen Willen zum weiteren Aufbau einer für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit“.


