Anschlagsdrohung

Mann zündet Böller in ICE und droht mit Anschlag – zwölf Fahrgäste verletzt

Mann wirft Knallkörper mit Kunststoffkugeln in Zug nach Frankfurt. Fahrgast sperrt Tatverdächtigen auf Toilette ein.

Ein Mann hat laut Bundespolizei in einem ICE in Nordrhein-Westfalen mit einem Anschlag gedroht und mehrere Menschen leicht verletzt.
Ein Mann hat laut Bundespolizei in einem ICE in Nordrhein-Westfalen mit einem Anschlag gedroht und mehrere Menschen leicht verletzt.Roberto Pfeil

Ein 20-jähriger Mann hat am Donnerstagabend in einem ICE in Nordrhein-Westfalen Knallkörper gezündet, mit einem Anschlag gedroht und dabei zwölf Fahrgäste leicht verletzt. Die Polizei rückte mit schwer bewaffneten Einsatzkräften an und nahm den Mann fest, wie ein Sprecher der Polizei Siegburg der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Der Tatverdächtige warf laut Zeugenaussagen in dem Zug auf dem Weg nach Frankfurt pyrotechnische Gegenstände, die mit Kunststoffkugeln gefüllt waren. Die verletzten Fahrgäste erlitten unter anderem Knalltraumata. Eine Sprecherin der Bundespolizei sprach nach einer ersten Lageeinschätzung zudem von „leichten, oberflächlichen Hautverletzungen" bei Betroffenen. Die Mehrzahl der rund 150 Fahrgäste an Bord kam kurz vor Ostern jedoch mit dem Schrecken davon.

Der Mann habe mit einem Anschlag gedroht und ein Messer im Rucksack gehabt, erklärte die Sprecherin der Bundespolizei, ohne weitere Details zu nennen. Die Ermittlungen zu den Motiven des 20-Jährigen dauern an.

Couragierter Fahrgast handelte entscheidend

Bemerkenswert ist die Rolle eines einzelnen Fahrgastes: Nachdem der Tatverdächtige die Böller gezündet hatte, zog er sich dem Siegburger Polizeisprecher zufolge auf eine Zugtoilette zurück. Dort schloss ihn ein Mitreisender ein und hielt ihn so bis zum Eintreffen am Bahnhof fest. Die Bundespolizei zog den 20-Jährigen anschließend aus der Toilette heraus. Er befindet sich nun im Gewahrsam der Siegburger Polizei.

Der ICE wurde nach dem Vorfall evakuiert. Rund 150 Fahrgäste mussten den Zug verlassen und wurden auf dem Bahnsteig von der Feuerwehr versorgt. Viele von ihnen waren laut Angaben der Polizei Urlaubsreisende, die mit Koffern auf dem Bahnsteig standen. Der Zug wird vorsichtshalber komplett untersucht und bleibt bis auf Weiteres am Bahnsteig stehen, so der Sprecher.

Zugverkehr zwischen Köln und Frankfurt beeinträchtigt

Laut Bundespolizei war lediglich das betroffene Gleis gesperrt. Dennoch blieb der Zwischenfall in der Nacht zum Karfreitag für andere Reisende nicht folgenlos. „Die auf der Strecke befindlichen Züge des Fernverkehrs fahren zurück nach Frankfurt und führen die Fahrt zum Zielort über das Rheintal fort", erklärte eine Bahnsprecherin. Damit kam es auf der vielbefahrenen Strecke zwischen Köln und Frankfurt zu erheblichen Verzögerungen – ausgerechnet zu Beginn des Osterreiseverkehrs.