Um die Verbindungen zu seiner einstigen Kolonialmacht Frankreich zu kappen, hat Niger inzwischen zahlreichen Straßen und Denkmälern neue Namen verpasst. Bei Feierlichkeiten in dieser Woche in der Hauptstadt Niamey zelebrierte die Militärführung des westafrikanischen Staates die umfangreichen Umbenennungen, wodurch statt französischen Größen nun nigrische Helden geehrt werden sollen.
„Die meisten unserer Alleen, Boulevards und Straßen … tragen Namen, die einfach nur an das Leid und die Schikanen erinnern, die unser Volk während der Tortur der Kolonialisierung ertragen musste“, sagte der Sprecher der Junta, Oberst Abdramane Amadou laut einem Bericht der BBC. Damit wolle man nun ein Ende machen. So heißt etwa die „Avenue Charles de Gaulle“ in Niamey jetzt „Avenue Djibo Bakary“ zu Ehren eines nigrischen Politikers, der eine Schlüsselrolle im Unabhängigkeitskampf des Landes spielte.
Neben Straßennamen wurden auch ganze Denkmäler in Niamey umgestaltet. Eines der größten Denkmäler der Stadt für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde in „Bubandey Batama“ umbenannt, was auf Djerma „für unsere Toten“ bedeutet. Damit soll nun „allen zivilen und militärischen Opfern von der Kolonisierung bis heute“ gedacht werden. Ein weiteres Denkmal, das den französischen Entdecker und Militärführer Parfait-Louis Monteil darstellte, zeigt nun ein Portrait des panafrikanischen Revolutionärs Thomas Sankara.
Eine weitere wichtige Namensänderung ist der „Place de La Francophonie“ in Niamey, benannt nach der Gruppe französischsprachiger Staaten. Stattdessen wird er künftig „Place de l'Alliance des Etats du Sahel“ heißen, nach der neuen Allianz des Landes mit Burkina Faso und Mali. Beide Länder haben ebenfalls eine Militärführung.

Sahel-Staaten wenden sich zunehmend Russland zu
Nigers Beziehungen zu Frankreich und anderen westlichen Verbündeten haben sich zuletzt stark verschlechtert, nachdem Präsident Mohamed Bazoum im vergangenen Jahr durch einen Putsch gestürzt wurde. Unter Bazoum hatte Frankreich mehr als 1500 Soldaten in Niger stationiert, um den Kampf gegen dschihadistische Gruppen zu unterstützen, die sowohl mit Al-Qaida als auch mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehen. Sie zogen sich Ende letzten Jahres zurück.
Wie seine ebenfalls militärisch geführten Nachbarn Mali und Burkina Faso hat Niger stattdessen inzwischen Russland um militärische Unterstützung gegen die dschihadistischen Aufständischen gebeten.
Auch das deutsche Verteidigungsministerium hatte im August die letzte Basis der Bundeswehr in Westafrika aufgegeben, nachdem man sich mit der Militärregierung im Niger nicht über ein neues Abkommen zum Weiterbetrieb einigen konnte.


