Afrika

Loslösung von Kolonialmacht: Niger benennt zahlreiche Straßen und Plätze um

Das westafrikanische Land wendete sich zuletzt immer weiter von Frankreich ab. Das zeigt sich künftig auch im Straßenbild von Niamey. 

Dieses am 15. Oktober 2024 in Niamey aufgenommene Foto zeigt die offizielle Enthüllung der neuen Plakette an der Avenue General Charles de Gaulle, die in Avenue Djibo Bakary umbenannt wurde, während einer Namensumgebungszeremonie.
Dieses am 15. Oktober 2024 in Niamey aufgenommene Foto zeigt die offizielle Enthüllung der neuen Plakette an der Avenue General Charles de Gaulle, die in Avenue Djibo Bakary umbenannt wurde, während einer Namensumgebungszeremonie.Boureima Hama/AFP

Um die Verbindungen zu seiner einstigen Kolonialmacht Frankreich zu kappen, hat Niger inzwischen zahlreichen Straßen und Denkmälern neue Namen verpasst. Bei Feierlichkeiten in dieser Woche in der Hauptstadt Niamey zelebrierte die Militärführung des westafrikanischen Staates die umfangreichen Umbenennungen, wodurch statt französischen Größen nun nigrische Helden geehrt werden sollen.

„Die meisten unserer Alleen, Boulevards und Straßen … tragen Namen, die einfach nur an das Leid und die Schikanen erinnern, die unser Volk während der Tortur der Kolonialisierung ertragen musste“, sagte der Sprecher der Junta, Oberst Abdramane Amadou laut einem Bericht der BBC. Damit wolle man nun ein Ende machen. So heißt etwa die „Avenue Charles de Gaulle“ in Niamey jetzt „Avenue Djibo Bakary“ zu Ehren eines nigrischen Politikers, der eine Schlüsselrolle im Unabhängigkeitskampf des Landes spielte.

Neben Straßennamen wurden auch ganze Denkmäler in Niamey umgestaltet. Eines der größten Denkmäler der Stadt für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde in „Bubandey Batama“ umbenannt, was auf Djerma „für unsere Toten“ bedeutet. Damit soll nun „allen zivilen und militärischen Opfern von der Kolonisierung bis heute“ gedacht werden. Ein weiteres Denkmal, das den französischen Entdecker und Militärführer Parfait-Louis Monteil darstellte, zeigt nun ein Portrait des panafrikanischen Revolutionärs Thomas Sankara.

Eine weitere wichtige Namensänderung ist der „Place de La Francophonie“ in Niamey, benannt nach der Gruppe französischsprachiger Staaten. Stattdessen wird er künftig „Place de l'Alliance des Etats du Sahel“ heißen, nach der neuen Allianz des Landes mit Burkina Faso und Mali. Beide Länder haben ebenfalls eine Militärführung.

Militärbeamte nehmen an einer Umbenennungszeremonie in Niamey teil, bei der das Denkmal, das den Opfern der beiden Weltkriege gewidmet war, in „Bubandey Batama“ („Unseren Toten“ in der Djerma-Sprache) umbenannt wurde und nun an zivile und militärische Opfern der Kolonisierung erinnern soll.
Militärbeamte nehmen an einer Umbenennungszeremonie in Niamey teil, bei der das Denkmal, das den Opfern der beiden Weltkriege gewidmet war, in „Bubandey Batama“ („Unseren Toten“ in der Djerma-Sprache) umbenannt wurde und nun an zivile und militärische Opfern der Kolonisierung erinnern soll.Boureima Hama/AFP

Sahel-Staaten wenden sich zunehmend Russland zu

Nigers Beziehungen zu Frankreich und anderen westlichen Verbündeten haben sich zuletzt stark verschlechtert, nachdem Präsident Mohamed Bazoum im vergangenen Jahr durch einen Putsch gestürzt wurde. Unter Bazoum hatte Frankreich mehr als 1500 Soldaten in Niger stationiert, um den Kampf gegen dschihadistische Gruppen zu unterstützen, die sowohl mit Al-Qaida als auch mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehen. Sie zogen sich Ende letzten Jahres zurück. 

Wie seine ebenfalls militärisch geführten Nachbarn Mali und Burkina Faso hat Niger stattdessen inzwischen Russland um militärische Unterstützung gegen die dschihadistischen Aufständischen gebeten.

Auch das deutsche Verteidigungsministerium hatte im August die letzte Basis der Bundeswehr in Westafrika aufgegeben, nachdem man sich mit der Militärregierung im Niger nicht über ein neues Abkommen zum Weiterbetrieb einigen konnte.