Während Spitzenpolitiker nur knapp einer deutlichen Diätenerhöhung entgangen sind, fallen die Gehaltssprünge der meisten Arbeitnehmer in diesem Jahr bescheidener aus.
Gymnasiallehrer erhalten in diesem Jahr das größte Lohnplus aller untersuchten Berufsgruppen. Das geht aus einer Auswertung der Bild hervor, die sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit, des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) sowie der Gewerkschaften stützt. Demnach steigen die Gehälter dieser Berufsgruppe um 7,7 Prozent. Verantwortlich dafür sind die jüngsten Tarifabschlüsse, an denen unter anderem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie ver.di beteiligt waren.
Als einer der wenigen Handwerksberufe können Mechatroniker mit einem überdurchschnittlichen Plus rechnen. Maßgeblich sind hier die Tarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie. Der jüngste Abschluss der IG Metall sorgte für eine zusätzliche Erhöhung um 3,1 Prozent – bereits die zweite Anhebung im laufenden Jahr. Aber auch Installateur- und Heizungsbaumeister dürfen sich freuen: Über einen Zuwachs von 5,3 Prozent.
Gastgewerbe leidet weiter unter Pandemiefolgen
Deutlich verhaltener fallen die Steigerungen in anderen Branchen aus. Gerüstbauer, die unter spezielle Bautarifverträge fallen, können mit einem Plus von rund 4,4 Prozent rechnen. Direkt dahinter rangiert das Gastgewerbe mit 4 Prozent. Die Tarifabschlüsse fallen in dieser Branche traditionell geringer aus, da weniger Beschäftigte tarifgebunden sind als in der Industrie. Hinzu kommt, dass sich viele Betriebe nach noch immer von den wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie erholen und sich größere Gehaltssprünge schlicht nicht leisten können.
Die Mehrheit der Berufe bewegt sich bei den Erhöhungen in einem Korridor zwischen 3 und 3,3 Prozent. Schlusslichter der Auswertung sind die Bereiche Soziales, Pflege sowie Industrie und Fertigung, wo Beschäftigte mit Steigerungen zwischen 2 und 2,8 Prozent rechnen müssen.
Pflegekräfte mit eigener Tariflogik
Die Pflege-Branche unterliegt einer eigenen Tariflogik mit separaten Verhandlungszyklen und mehrstufigen Erhöhungen über mehrere Jahre. In den vergangenen Jahren seien zudem wesentliche Anpassungen bei Eingruppierungen, Schichtzuschlägen und Mindestlöhnen vorgenommen worden. Die auf den ersten Blick schwache Erhöhung im laufenden Jahr fällt vor diesem Hintergrund weniger ins Gewicht, als die reine Prozentzahl vermuten lässt, wie die Bild berichtet.
Hintergrund der Auswertung ist die Debatte um die ursprünglich geplanten Gehaltssprünge für Spitzenbeamte, Minister und den Bundeskanzler, die kurzfristig abgewendet wurden. Der Vergleich mit den durchschnittlichen Lohnentwicklungen anderer Berufsgruppen verdeutlicht, warum die geplanten Erhöhungen in der politischen Spitze für Unmut gesorgt hatten.


