Protestveranstaltung

KZ-Gedenkstätte Buchenwald: Aktivisten sollen trotz Verbot Mahnwache abgehalten haben

Mitglieder der Gruppe „Kufiyas in Buchenwald" sollen nach eigenen Angaben in der Gedenkstätte gegen den deutschen Umgang mit dem Gaza-Krieg protestiert haben. Trotz Gerichts-Verbot.

Aktivisten der Gruppe „Kufiyas in Buchenwald" sollen sich trotz Verbot in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald versammelt haben.
Aktivisten der Gruppe „Kufiyas in Buchenwald" sollen sich trotz Verbot in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald versammelt haben.Martin Schutt/dpa

Eine Gruppe Aktivisten der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald" soll sich am Samstag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald nach eigener Aussage versammelt haben, um gegen die israelische Kriegsführung in Gaza und die deutsche Unterstützung dafür zu protestieren. Unter den Teilnehmenden befanden sich nach eigenen Angaben Nachfahren von Holocaust-Überlebenden. Sie trugen T-Shirts mit Aufschriften wie „Jews Against Genocide" und „From Buchenwald to Gaza – Resistance until Liberation".

Die Aktion folgte auf ein gerichtlich bestätigtes Verbot einer ursprünglich für den 12. April geplanten offiziellen Mahnwache. Das Verwaltungsgericht Weimar hatte einen Eilantrag der Kampagne gegen das Verbot der Versammlungsbehörde abgelehnt. In seiner Begründung stützte sich das Gericht laut der Kampagne vorwiegend auf die Argumentation der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald. Die geplante Veranstaltung – bei der Reden von Nachfahren von Holocaust-Überlebenden sowie jüdische Gebete vorgesehen waren – würde demnach durch das Ansprechen „aktueller Verbrechen" die Würde der Opfer von Buchenwald verletzen.

Die Anmelderin der verbotenen Mahnwache, Tair B., warf der Gedenkstättenleitung vor, von ihrer eigenen Verantwortung ablenken zu wollen. Das Gericht habe vorgeschlagen, die Mahnwache stattdessen in Weimar neben zionistischen Gegenprotesten abzuhalten. „Das Spiel werden wir nicht mitspielen", erklärte Tair B. Die Leitung der Gedenkstätte müsse „zur Verantwortung gezogen werden für ihre ideologische Unterstützung des israelischen Völkermords".

Scharfe Kritik an deutscher Erinnerungskultur

Thomas G., der sich als Sohn eines Auschwitz-Überlebenden vorstellte, kritisierte den Umgang mit der Geschichte seiner Vorfahren: „Was tatsächlich die Würde unserer Vorfahren verletzt, ist ihre Geschichte auszuhöhlen, um gegenwärtig die deutsche Unterstützung israelischer Gewalt zu rechtfertigen." Gedenkstätten wie Buchenwald bildeten mit ihrer Bildungsarbeit die Grundlage für Repressionen gegen eine Bewegung, die in Deutschland gegen Krieg und Genozid auf die Straße gehe.

Rachael Shapiro vom International Jewish Antizionist Network formulierte den Vorwurf noch grundsätzlicher: Die Gedenkstätte stelle den deutschen Faschismus als „singuläres und unpolitisches Ereignis" dar, um damit die politische und wirtschaftliche Unterstützung Deutschlands für Israel zu rechtfertigen.

Die Stiftung Gedenkstätte Buchenwald selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert. Die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald" kündigte für Dienstag, den 14. April um 17 Uhr, eine virtuelle internationale Pressekonferenz an, bei der das Verbot der Mahnwache, die Aktion vom Samstag und weitere geplante Schritte thematisiert werden sollen.