Kanada bereitet ein Hilfspaket für Kuba vor, das unter schweren Stromausfällen und akutem Treibstoffmangel leidet. Außenministerin Anita Anand erklärte am Montag in Ottawa, man arbeite an einem Unterstützungsplan, nannte jedoch keine Details. „Wir bereiten einen Plan zur Hilfe vor. Wir sind derzeit nicht bereit, Einzelheiten bekannt zu geben“, sagte Anand laut der Nachrichtenagentur AP.
Kanada ist nach Angaben der kanadischen Regierungsbehörde Global Affairs Canada die zweitgrößte Quelle ausländischer Direktinvestitionen auf der Insel, insbesondere in den Bereichen Bergbau und Tourismus. Mehrere kanadische Fluggesellschaften, darunter Air Canada, haben ihre Flüge nach Kuba bereits eingestellt, weil auf der Insel kein Kerosin mehr verfügbar ist.
Hilfsangebote nehmen zu
Damit reiht sich Kanada in die Riege der Staaten ein, die dem karibischen Inselstaat Hilfe leisten. Bereits Anfang Februar legten zwei Schiffe der mexikanischen Marine mit rund 800 Tonnen Hilfsgütern sowie weiteren 1.500 Tonnen Milchpulver und Bohnen in kubanischen Häfen an.
Die Hilfe traf ein, obwohl US-Präsident Donald Trump zuvor Zölle gegen Länder angedroht hatte, die Kuba mit Öl beliefern.
Krise mit vielen Ursachen - und ein großer Grund
Die Lage auf Kuba hat sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt. Die Energiekrise verschärfte sich, nachdem Venezuela – bis vor kurzem einer der wichtigsten Öllieferanten – seine Lieferungen nach dem US-Militäreinsatz gegen das südamerikanische Land und der Festnahme von Präsidnet Nicolás Maduro vollständig einstellte.
Auch Mexiko, ein weiterer Lieferant, stoppte unter amerikanischem Druck seine Ölexporte nach Kuba. Da die Insel nach eigenen Angaben nur rund 40 Prozent ihres Treibstoffbedarfs selbst produzieren kann, ist sie auf Importe angewiesen.
Die seit mehr als sechs Jahrzehnten andauernde US‑Blockade gegen Kuba ist ein nahezu einzigartiges Sanktionsregime, das Handel, Finanzströme und Energiezufuhr der Insel systematisch einschnürt. Inzwischen setzen die USA verstärkt auf eine De-facto-Ölblockade, mit der die Regierung in Havanna wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden soll – ein Kurs, der die ohnehin dramatische Versorgungslage verschärft und von der UNO‑Generalversammlung Jahr für Jahr als völkerrechtswidrig verurteilt wird.
US-Thinktank zeichnet dramatisches Bild
Der US-US-Thinktank Cato Institute zeichnet in einer am 23. Februar veröffentlichten Analyse ein noch düstereres Bild. Autor Marcos Falcone argumentiert, die kubanische Wirtschaft stehe möglicherweise vor ihrem schlimmsten Einbruch seit der Revolution von 1959. Offiziell sei die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um fünf Prozent geschrumpft, mit einem kumulierten Verlust von 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den letzten fünf Jahren.
Die offizielle Inflationsrate von 14 Prozent für 2025 werde von unabhängigen Schätzungen allerdings auf bis zu 70 Prozent beziffert. Die kubanischen Behörden manipulierten Statistiken regelmäßig, um das tatsächliche Ausmaß der Krise zu verschleiern, so Falcone.
Der landesweite Stromausfall im Oktober 2024, der Kuba tagelang lahmlegte, war laut der Analyse nur der Auftakt einer Serie von Versorgungsengpässen. Seit fast anderthalb Jahren hätten die Kubaner nur noch wenige Stunden am Tag Strom. Der Tourismus, der etwa 13 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, komme praktisch zum Erliegen: Hotels würden geschlossen, Touristen umgesiedelt, selbst Russland evakuiere seine Staatsbürger.
Videos aus Havanna zeigten eine nahezu menschenleere Hauptstadt, da der öffentliche Nahverkehr nicht mehr betrieben werden könne. Universitäten seien faktisch geschlossen, die Regierung habe Fernarbeit angeordnet.
UN warnen vor humanitärer Katastrophe
Das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte äußerte sich bereits am 13. Februar alarmiert. Sprecherin Marta Hurtado erklärte in Genf, die Ölknappheit gefährde landesweit die Versorgung mit grundlegenden Dienstleistungen. Intensivstationen und Notaufnahmen seien beeinträchtigt, ebenso die Produktion, Lieferung und Lagerung von Impfstoffen, Blutprodukten und temperaturempfindlichen Medikamenten.
Mehr als 80 Prozent der Wasserpumpen auf der Insel seien auf Strom angewiesen – die Ausfälle gefährdeten daher auch den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung.
Besonders verletzliche Gruppen seien überproportional betroffen, so das UN-Büro: Die Treibstoffknappheit habe das Rationierungssystem und die staatlich regulierte Grundversorgung mit Lebensmitteln gestört und treffe Schulspeisungen, Entbindungsheime sowie Pflegeeinrichtungen. UN-Hochkommissar Volker Türk forderte alle Staaten auf, einseitige sektorale Sanktionen aufzuheben, da deren Auswirkungen auf die Bevölkerung breit und unterschiedslos seien. „Politische Ziele können keine Maßnahmen rechtfertigen, die selbst Menschenrechte verletzen“, so Türk.

