Kolumbien hat bei der US-Sanktionsbehörde OFAC eine Ausnahmegenehmigung beantragt, um dem staatlichen Energiekonzern Ecopetrol grenzüberschreitende Gas- und Stromprojekte mit Venezuela zu ermöglichen. Das geht aus einem AP-Bericht vom Dienstag hervor. Das kolumbianische Energieministerium bestätigte die laufenden Gespräche mit Washington in einer eigenen Mitteilung.
Im Zentrum steht die seit Jahren stillgelegte Gasverbindung zwischen beiden Ländern. Ohne eine ausdrückliche Freigabe durch das Office of Foreign Assets Control (OFAC) –die US-Behörde, die Wirtschaftssanktionen durchsetzt– sind die geplanten Vorhaben nach Darstellung der kolumbianischen Seite nicht umsetzbar. Die geplanten Projekte umfassen nach Angaben des Ministeriums sowohl die Erdgasversorgung als auch den Stromhandel über die gemeinsame Grenze.
PDVSA wollte Pipeline-Vertrag beenden
Der Vorstoß Bogotás kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Wie Reuters berichtete, hatte Venezuelas staatlicher Ölkonzern PDVSA kurz zuvor angekündigt, den bestehenden Pipeline-Vertrag mit Ecopetrol beenden zu wollen. Kolumbien versucht nun offenbar, über Washington die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Zusammenarbeit unter neuen Bedingungen fortgesetzt werden kann.
Ecopetrol, mehrheitlich im Besitz des kolumbianischen Staates, zählt zu den größten Energiekonzernen Lateinamerikas. Die grenznahe Infrastruktur beider Länder ist historisch eng verflochten. Für Kolumbien wäre eine funktionierende Gasverbindung auch energiepolitisch relevant, da das Land seinen eigenen Gasbedarf zunehmend schwerer aus heimischen Quellen decken kann.
US-Politik als Hürde für regionale Zusammenarbeit
Die US-Sanktionen gegen Venezuela und insbesondere gegen PDVSA erschweren die geplanten Energievorhaben weiterhin. Sie sollen den Druck auf die venezolanische Führung unter der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez aufrechterhalten. Zugleich ist die Lage durch einige OFAC-Freigaben zuletzt in Bewegung geraten.
Für Nachbarstaaten wie Kolumbien sind selbst rein technische Energieprojekte an der gemeinsamen Grenze ohne OFAC-Lizenz nicht umsetzbar.Ob Washington dem Antrag stattgibt, ist offen.
Kolumbien wird von Präsident Gustavo Petro regiert, der seit 2022 einen linken und außenpolitisch eigenständigeren Kurs verfolgt und auch auf eine Wiederannäherung an Venezuela setzt.


