Der Leiter des Runden Tisches zur Brandkatastrophe von Crans-Montana, Laurent Kurth, setzt auf eine Einigung ohne jahrelange Prozesse über Schadenersatzzahlungen für 41 Tote und 115 Verletzte. In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sagte Kurth, er halte den bereits eingesetzten Runden Tisch für gerechter und effizienter. „Die hohe Opferzahl kann die Justiz überfordern und Dinge verzögern. Gegenüber den Opfern ist das unverantwortlich“, betonte Kurth gegenüber dem SRF.
Bei dem Brand in der Bar Le Constellation im Walliser Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht starben 41 Menschen, darunter 20 Minderjährige. 115 Menschen wurden verletzt. Gegen das französische Betreiberpaar der Bar, Jacques und Jessica Moretti, wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Auslösung des Brandes ermittelt.
Brandnacht und Ermittlungen
Nach bisherigem Ermittlungsstand brach das Feuer im Zusammenhang mit pyrotechnischen Fontänen aus, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen. Zeugen berichteten von einer raschen Ausbreitung, viel Rauch und einer starken Hitzewelle.
Die örtlichen Behörden räumten ein, die betroffene Bar Le Constellation sei zuletzt im Jahr 2019 kontrolliert worden. Einzelne Angehörige und Opfervertreter haben gegen mutmaßliche Verantwortliche Anzeigen eingereicht oder treten als Kläger auf. Die Untersuchung konzentriert sich unter anderem auf mögliche Verstöße gegen Brandschutzvorschriften und mangelnde Sicherheitsinspektionen an dem Veranstaltungsort.
Kurth, ein früherer Neuenburger Regierungsrat und ehemaliger Finanz- und Gesundheitsdirektor, war vom Schweizer Bundesrat zum Leiter des Runden Tisches ernannt worden. Dieser soll Opfer, Angehörige, Versicherungen, mögliche Zahlungspflichtige und zuständige Behörden zusammenbringen. Ziel sind außergerichtliche Vergleiche. Die Teilnahme ist freiwillig und greift laut Bundesamt Entscheidungen in Zivil- oder Strafverfahren nicht vor.
Kommt eine Einigung zustande, will sich der Bund mit bis zu 20 Millionen Franken beteiligen, umgerechnet rund 22 Millionen Euro. Darüber berät derzeit das Schweizer Parlament. Das nächste Gespräch ist für Juni 2026 geplant. „Sollte der Runde Tisch tatsächlich scheitern und Gerichte über Entschädigungen entscheiden müssen, dürfte das bis 2040 dauern, vielleicht sogar noch länger“, warnt Vermittler Kurth.
Streit mit Italien um Krankenhausrechnungen
Zwischen der Schweiz und Italien kam es nach dem Brand zu Verstimmungen, wie das Schweizer Portal Watson am vergangenen Dienstag berichtete. Bei dem Brand waren auch sechs Italiener ums Leben gekommen, elf wurden verletzt. Auslöser der Verstimmungen waren laut Watson Krankenhausrechnungen aus dem Kanton Wallis, die nach Italien geschickt wurden. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte sich auf der Plattform X empört. Der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, sagte dem Sender Rete 4, Italien werde diese Rechnungen nicht bezahlen. Die Kostenübernahme soll laut Watson am Runden Tisch geklärt werden.


