Der Begriff „Sondervermögen“ ist in diesem Jahr von der sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ als besonders problematisch ausgezeichnet worden. Die Jury gab heute in Marburg bekannt, dass die Bezeichnung aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache im politischen Diskurs dazu genutzt werde, den eigentlichen Sachverhalt der Schuldenaufnahme zu verdecken.
Nach Angaben der Jury habe der Begriff das vergangene Jahr maßgeblich geprägt, insbesondere die öffentlichen Debatten über staatliche Verschuldung und Investitionsprogramme. Die Verwendung des Ausdrucks in politischen Diskussionen führe dazu, dass Bürger nicht ausreichend erkennen könnten, dass mit „Sondervermögen“ in der Regel neue staatliche Kredite und somit zusätzliche Schulden gemeint seien.
Jury gibt jedes Jahr Unwort des Jahres bekannt
Die Aktion „Unwort des Jahres“ will mit ihrer jährlichen Auswahl für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Sprache sensibilisieren. Teilnahmeberechtigt sind alle Interessierten, die bis Jahresende Vorschläge einreichen können. Aus diesen Vorschlägen wählt eine Jury, bestehend aus vier Sprachwissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Gästen, das aus ihrer Sicht problematischste Wort aus.
Zur Auswahl stehen Formulierungen, die laut Jury entweder gegen die Menschenwürde oder die Prinzipien der Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder durch ihre Wortwahl Sachverhalte euphemistisch, verschleiernd oder irreführend darstellen. Im vergangenen Jahr fiel die Wahl auf das Wort „biodeutsch“.


