US-Präsident Joe Biden zeigt sich trotz wachsender Zweifel an seiner Eignung als Präsidentschaftskandidat siegesgewiss. Am Freitag kündigte der 81-Jährige an, nach seiner Corona-Erkrankung in der kommenden Woche seine Wahlkampftermine wieder aufnehmen zu wollen. „Gemeinsam werden wir gewinnen“, erklärte er.
Biden befindet sich derzeit wegen seiner Corona-Infektion in seinem Strandhaus im Ostküstenstaat Delaware. Der Arzt des Weißen Hauses, Kevin O'Connor, erklärte am Freitag, Husten und Heiserkeit seien weiterhin Bidens Hauptsymptome. Sie hätten sich aber „seit gestern deutlich gebessert“.
Die New York Times bestätigt dies. Die Zeitung schreibt, Biden glaube, dass sich einflussreiche Demokraten gegen ihn verschworen hätten. Sie würden schlechte Dinge an die Presse weitergeben wie etwa Nancy Pelosi. „Biden ist schon lange genug in der Politik tätig, um anzunehmen, dass die undichten Stellen, die in den letzten Tagen in den Medien aufgetaucht sind, koordiniert werden, um den Druck auf ihn zu erhöhen, damit er zurücktritt, wie ihm nahestehende Personen berichten. Er sieht in der Abgeordneten Nancy Pelosi, der ehemaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Hauptinitiatorin, ist aber auch über Obama verärgert, den er als Strippenzieher hinter den Kulissen sieht. “
Vor Bidens Erklärung, er würde weitermachen, hatte bereits sein Wahlkampfteam dessen Rückzug aus dem Rennen um das Weiße Haus ausgeschlossen. Der Amtsinhaber bleibe „absolut“ im Rennen und sei „entschlossener denn je, (Donald) Trump zu besiegen“, sagte Wahlkampfmanagerin Jen O'Malley Dillon dem Sender MSNBC. Biden sei „eindeutig die beste Person, um gegen Donald Trump anzutreten“, betonte sie. „Sie haben es wieder und wieder vom Präsidenten selbst gehört: Er tritt an, um zu gewinnen, er ist unser Kandidat und er wird unser Präsident für eine zweite Amtszeit sein“, sagte die Wahlkampfmanagerin.
Gleichzeitig räumte O'Malley Dillon ein, dass die vergangenen Wochen für das Wahlkampfteam „schwierig“ gewesen seien. „Wir haben einen gewissen Rückgang der Unterstützung festgestellt“ – aber das Ausmaß sei gering, erklärte sie weiter.
Silicon-Valley-Investor Michael Moritz ruft Biden zum Rückzug auf
Derweil schloss sich jedoch ein wichtiger Spender, der Silicon-Valley-Investor Michael Moritz, Aufrufen an, Biden solle sich aus dem Wahlkampf zurückziehen. „Traurigerweise hat Präsident Biden die Wahl: Eitelkeit oder Tugend“, zitierte die New York Times Moritz, der angab, seine Spenden an die Demokraten auszusetzen.
NBC News berichtete, einige von Bidens Familienmitglieder hätten darüber diskutiert, „wie ein Ausstieg aus seiner Kampagne aussehen könnte“. Es gebe jedoch noch keine endgültige Entscheidung über einen möglichen Rückzug.
US-Medien hatten berichtet, dass der gesundheitlich angeschlagene Biden einen Ausstieg aus dem Präsidentschaftswahlkampf erwäge. Die New York Times zitierte am Donnerstag mehrere Stimmen aus Bidens Umfeld, denen zufolge der 81-Jährige anfange zu akzeptieren, dass er bei der Wahl im November gegen seinen Rivalen Trump nicht gewinnen könne. Das Nachrichtenportal Axios berichtete unter Berufung auf Parteivertreter, Biden könne bereits an diesem Wochenende aus dem Wahlkampf aussteigen. Der Sender NBC zitierte eine Biden nahestehende Person mit den Worten: „Wir sind kurz vor dem Ende.“
Der US-Präsident steht seit seinem Auftritt im Fernsehduell mit Donald Trump Ende Juni massiv unter Druck. Inzwischen haben mehr als 30 Mitglieder des Repräsentantenhauses und vier Senatoren der Demokraten Biden öffentlich zum Rückzug aufgerufen.
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