Gesundheit

Jeder Zweite unsicher: Können Impfungen Autismus oder Allergien auslösen?

Eine Umfrage zeigt weit verbreitete Impf-Mythen in der Bevölkerung. Mehrheit hält Impfungen dennoch für sinnvoll.

Viele überschätzen laut RKI Risiken von Impfnebenwirkungen.
Viele überschätzen laut RKI Risiken von Impfnebenwirkungen.Julian Stratenschulte/dpa

Eine aktuelle Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) offenbart eine erhebliche Wissenslücke in der Bevölkerung, wenn es um die Einschätzung von Impfrisiken geht. Demnach überschätzen viele Menschen in Deutschland die Nebenwirkungen und Risiken von Impfungen deutlich – und halten wissenschaftlich widerlegte Behauptungen für möglicherweise zutreffend.

Besonders auffällig: Fünf von zehn Befragten gaben an, nicht sicher zu sein, ob Impfungen Allergien oder Autismus auslösen können. Beide Annahmen zählen zu den bekanntesten Impf-Mythen, die von der medizinischen Forschung wiederholt widerlegt wurden. Dass dennoch die Hälfte der Befragten hier Zweifel äußert, deutet darauf hin, dass Fehlinformationen rund um das Thema Impfen weiterhin in weiten Teilen der Gesellschaft kursieren.

Grundsätzliche Akzeptanz bleibt hoch

Trotz der verbreiteten Unsicherheit über mögliche Nebenwirkungen steht eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dem Impfen grundsätzlich positiv gegenüber. Laut der RKI-Erhebung halten 80 Prozent der Befragten Impfungen für ein sinnvolles Mittel, um Krankheiten vorzubeugen. Die generelle Impfbereitschaft ist damit weiterhin auf einem hohen Niveau – auch wenn das Wissen über tatsächliche Risiken und unbegründete Befürchtungen offenbar auseinanderklafft.

Die Ergebnisse der Umfrage werfen die Frage auf, wie wirksam die bisherige Gesundheitskommunikation in Deutschland ist. Dass ein so großer Teil der Bevölkerung längst widerlegte Zusammenhänge zwischen Impfungen und schweren Nebenwirkungen nicht eindeutig ausschließen kann, zeigt aus Sicht von Fachleuten einen anhaltenden Bedarf an sachlicher Aufklärung. Insbesondere die Behauptung eines Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus geht auf eine 1998 veröffentlichte und später zurückgezogene Studie zurück, deren Autor wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens seine Approbation verlor. Zahlreiche groß angelegte Studien haben seither keinen derartigen Zusammenhang bestätigen können.

Die Kluft zwischen grundsätzlicher Impfakzeptanz und weit verbreiteter Unsicherheit über konkrete Risiken stellt Gesundheitsbehörden vor eine komplexe Aufgabe: Einerseits ist die Bereitschaft zum Impfen vorhanden, andererseits könnten hartnäckige Mythen diese Bereitschaft langfristig untergraben – insbesondere dann, wenn neue Impfkampagnen anstehen oder bisher unbekannte Erreger eine schnelle Immunisierung der Bevölkerung erfordern.