Missbrauch

Jede achte Person laut Umfrage als Kind Opfer sexueller Gewalt

Jede fünfte Frau im Alter von 18 bis 29 Jahren hat als Kind Missbrauchserfahrungen gemacht. Die Täter sind fast immer Männer.

Jede fünfte Frau im Alter von 18 bis 29 Jahren hat als Kind Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht.
Jede fünfte Frau im Alter von 18 bis 29 Jahren hat als Kind Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht.Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In Deutschland hat etwa jeder achte Mensch im Kindes- und Jugendalter mindestens einmal sexualisierte Gewalt erfahren. Davon besonders betroffen sind den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap zufolge Frauen. Etwa jede Fünfte – 20,6 Prozent der Befragten – machte demnach Missbrauchserfahrungen. Bei den Männern waren es den Angaben zufolge 4,8 Prozent. Von den befragten jungen Frauen der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren machten sogar 27,4 Prozent und damit mehr als jede Vierte Missbrauchserfahrungen.

Das Ausmaß solcher Taten in Deutschland sei „erschreckend groß“, sagte der Mannheimer Psychiater und Studienkoordinator Harald Dreßing. Die Ergebnisse wiesen „auf ein erhebliches Dunkelfeld hin, das im Vergleich zu früheren Untersuchungen nicht abgenommen hat, obwohl das Bewusstsein um die Problematik gewachsen ist und Präventionsmaßnahmen in Deutschland ausgeweitet wurden“. Im Schnitt waren die Betroffenen 11,2 Jahre alt zum Zeitpunkt der Tat.

Dabei erlebte rund jede und jeder zweite Betroffene sexualisierte Gewalt nicht nur einmal. Mehrfach zum Opfer wurden den Studienergebnissen zufolge vor allem jene, an denen so eine Tat schon in besonders jungen Jahren zum ersten Mal verübt worden war. Bei den von Mehrfachtaten betroffenen Personen dauerte der Missbrauch durchschnittlich 3,4 Jahre.

Täter sind überwiegend Männer

Fast durchgehend gaben die Betroffenen Männer als Täter an – nur 4,5 Prozent der Befragten erlebten sexualisierte Gewalt durch eine Frau. Die Täter stammten den Angaben zufolge am häufigsten aus dem Bereich der Familie und dem Verwandtenkreis.

Männer erfuhren demnach deutlich häufiger sexualisierte Gewalt in Sport- und Freizeiteinrichtungen, im kirchlichen Kontext sowie im Rahmen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. In fast einem Drittel der Fälle spielten den Angaben zufolge zudem digitale Kanäle wie Social Media oder Messengerdienste eine wichtige Rolle. Hier sei es zur ungewollten Zusendung von Pornos oder zur Aufforderung zu sexuellen Handlungen gekommen.

Die repräsentative Befragung wurde vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit initiiert und lief im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit zusammen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik in Ulm und dem Kriminologischen Institut Heidelberg. Den Angaben zufolge handelt es sich um die erste bundesweite repräsentative Studie, die nicht nur die Häufigkeit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche untersucht, sondern auch die Kontexte der Taten und deren Folgen beleuchtet.