Da digitale Geräte mehr genutzt werden, ist die Zahl der Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum einer Studie zufolge deutlich gestiegen. Durch den coronabedingten Online-Unterricht in vielen Ländern seien mehr digitale Geräte eingesetzt worden, wodurch neue Tatmöglichkeiten geschaffen worden sind, teilte das Kinderhilfswerk World Vision am Freitag in Berlin mit. Für die Studie wurden den Angaben zufolge Fachleute und Betroffene aus Deutschland, Indien, Thailand und den Philippinen befragt.
Zu sexualisierter Online-Gewalt zählten etwa Cyber-Mobbing unter Gleichaltrigen oder gefilmte und online veröffentlichte analoge Gewalthandlungen, erläuterte der Forschungsleiter des World-Vision-Instituts, Ekkardt Sonntag. „Es ist ein komplexes Phänomen, welches oft Ländergrenzen überschreitet.“
Sexueller Missbrauch online: Konsumenten meist aus Industrieländern
Der Studie zufolge werden Kinder in ärmeren Ländern oft gegen Bezahlung von Mittelspersonen, teils der eigenen Familie, vor der Livestream-Kamera zu sexuellen Handlungen gezwungen oder von Dritten vergewaltigt. Die Konsumenten dieser Aufnahmen kämen oft aus Industrieländern. Aber auch in Deutschland würden immer wieder Fälle bekannt, bei denen Kinder für Geld sexualisierte Darstellungen wie Bilder oder Videos anfertigen und über das Internet weitergeben.
Die Untersuchung deute auf große Lücken beim digitalen Kinderschutz in Politik, Strafverfolgung und Technologieunternehmen. Die Studienautoren forderten daher von der Bundesregierung, Präventionsangebote zu stärken und Technologieunternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen.

