Abfangraketen

Israel gehen wohl Interzeptoren gegen ballistische Raketen aus

Einem Bericht zufolge informierte Israel die USA über kritisch niedrige Bestände an Abfangraketen im Krieg gegen den Iran. Israelische Medien haben Einwände.

Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome feuert Abfangraketen ab.
Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome feuert Abfangraketen ab.Ohad Zwigenberg/AP

Israel hat die USA in dieser Woche offenbar darüber informiert, dass seine Bestände an Abfangraketen gegen ballistische Raketen kritisch niedrig sind. Das berichtet das US-Nachrichtenportal Semafor unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Die Times of Israel weist allerdings darauf hin, dass der Bericht nicht bestätigt sei und einige Details nicht mit den bekannten israelischen Abfangverfahren übereinstimmten.

Laut Semafor ist Israel bereits mit reduzierten Beständen in den aktuellen Konflikt mit dem Iran eingetreten, da im vergangenen Sommer bei Auseinandersetzungen mit dem Iran bereits zahlreiche Abfangraketen verschossen worden seien.

Die US-Regierung sei seit Monaten über die niedrigen Kapazitäten informiert gewesen. „Das ist etwas, womit wir gerechnet haben“, sagte ein US-Regierungsvertreter gegenüber Semafor. Zugleich betonte er, die USA selbst hätten keine vergleichbaren Engpässe. Israel arbeite an Lösungen für das Problem. Irans möglicher Einsatz von Streumunition an seinen Raketen könnte jedoch die Lage zusätzlich verschärfen, berichtete CNN.

Israels Iron Dome arbeitet gegen Streumunition

Die Times of Israel merkt an, dass einige Angaben im Semafor-Bericht nicht zu den bekannten israelischen Einsatzverfahren passten. So nutze Israel derzeit keine amerikanischen Luftabwehrsysteme. Zudem setze Israel gegen Streumunition das Kurzstrecken-Abwehrsystem Iron Dome ein – nicht seine Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen.

Das Pentagon erklärte, man verfüge über alles Nötige, um jeden Auftrag nach Wahl von Präsident Trump auszuführen. Dessen Sprecherin Karoline Leavitt ergänzte gegenüber Semafor, die US-Bestände seien „mehr als ausreichend“ für Trumps Ziele gegen den Iran. Iranische Drohnenangriffe seien um 95 Prozent zurückgegangen, Angriffe mit ballistischen Raketen um 90 Prozent.

Laut dem Center for Strategic and International Studies verschossen die USA im Juni vergangenen Jahres während des zwölftägigen Krieges mit dem Iran mehr als 150 THAAD-Abfangraketen – schätzungsweise ein Viertel des damaligen US-Bestands. Zudem sollen in den ersten fünf Tagen des aktuellen Krieges Patriot-Abfangraketen im Wert von rund 2,4 Milliarden Dollar eingesetzt worden sein. Im Januar leitete das Pentagon Schritte ein, um die Produktion des THAAD-Systems deutlich hochzufahren.

Die israelischen Streitkräfte reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Semafor zu dem möglichen Mangel. Semafor ist ein 2022 gegründetes US-amerikanisches Nachrichtenportal, das von den erfahrenen Journalisten Ben Smith (ehemals BuzzFeed News) und Justin Smith (ehemals Bloomberg Media) ins Leben gerufen wurde. Es gilt als eher linksgerichtet.