Engeriemarkt

30 Millionen US-Dollar pro Stunde: Ölkonzerne verdienen am Iran-Krieg Milliarden auf Kosten der Verbraucher

Während die Konflikte im Nahen Osten die Märkte erschüttern, steigen die Gewinne großer Ölkonzerne massiv. Eine Analyse zeigt: Die Zusatzprofite gehen zulasten von Haushalten und Staaten.

Deutsche Bürger tanken in Polen billigeren Kraftstoff in ihr Fahrzeug.
Deutsche Bürger tanken in Polen billigeren Kraftstoff in ihr Fahrzeug.Andy Bünning/imago

Der Iran-Krieg treibt nicht nur die geopolitische Eskalation voran, sondern auch die Gewinne der globalen Öl- und Gasindustrie. Die 100 größten Konzerne der Branche haben im ersten Monat des Konflikts laut einer Analyse im Auftrag des Guardian mehr als 30 Millionen US-Dollar pro Stunde an zusätzlichen Gewinnen erzielt.

Insgesamt summierten sich diese sogenannten „Windfall-Profite“ – also unerwartete Zusatzgewinne infolge der gestiegenen Preise – im März auf rund 23 Milliarden US-Dollar. Grundlage der Berechnung sind Daten des Analysehauses Rystad Energy, ausgewertet von der Organisation Global Witness.

Ölpreis als zentraler Treiber

Auslöser der Gewinnexplosion ist vor allem der stark gestiegene Ölpreis. Im März lag er im Schnitt bei rund 100 US-Dollar pro Barrel – deutlich höher als vor Beginn der Kampfhandlungen. Sollte dieses Niveau anhalten, könnten die zusätzlichen Gewinne der Branche bis Ende 2026 auf insgesamt 234 Milliarden US-Dollar anwachsen, heißt es in der Analyse.

Profiteure: Staatskonzerne und westliche Ölriesen

Zu den größten Gewinnern zählen staatliche und private Energiekonzerne gleichermaßen. Besonders stark profitiert der saudische Ölkonzern Saudi Aramco, der laut Analyse allein rund 25,5 Milliarden US-Dollar zusätzliche Gewinne erzielen könnte. Auch russische Unternehmen wie Gazprom, Rosneft und Lukoil profitieren erheblich. Ihre zusätzlichen Einnahmen werden auf knapp 24 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Zu den westlichen Konzernen zählen ExxonMobil mit erwarteten Zusatzgewinnen von rund elf Milliarden US-Dollar sowie Shell mit etwa 6,8 Milliarden US-Dollar. Auch Chevron könnte laut Analyse mehr als neun Milliarden US-Dollar zusätzlich verdienen.

Belastung für Verbraucher und Staaten

Die zusätzlichen Gewinne entstehen laut Analyse direkt aus höheren Kosten für Verbraucher und Unternehmen. Steigende Energiepreise verteuern Benzin, Strom und Heizkosten weltweit. Zugleich geraten viele Staaten unter Druck. Um Bürger zu entlasten, senken Regierungen teilweise Steuern auf Kraftstoffe – wodurch ihnen Einnahmen für öffentliche Ausgaben fehlen. Vorschläge reichen von weniger Verkehr bis hin zu mehr Homeoffice. Einige Wirtschaftexperten sehen Parallelen zu früheren Krisen, in denen zunächst freiwillige Maßnahmen später politisch massiv ausgeweitet wurden.

Auch auf europäischer Ebene wächst der Handlungsdruck. Finanzminister mehrerer EU-Staaten forderten laut mehreren Berichten, Gewinne aus der Krise stärker zu besteuern. Ziel sei es, Verbraucher zu entlasten und die Inflation zu dämpfen.

Forderungen nach Sondersteuern

In einem Schreiben an die EU-Kommission plädierten mehrere Länder dafür, „ein klares Signal“ zu setzen: Unternehmen, die von den Folgen eines Krieges profitieren, sollten stärker zur Finanzierung staatlicher Entlastungsmaßnahmen beitragen. Die Energierechnung der Europäischen Union ist seit Beginn des Konflikts bereits um 22 Milliarden Euro gestiegen. Nach Angaben von EU-Vertretern sind die Preise für Öl und Gas in Europa seit Beginn des Kriegs um rund 60 Prozent gestiegen, berichtete die Financial Times vor wenigen Tagen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts reichen dabei weit über den Energiemarkt hinaus. Die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs könnte nach Einschätzung von EU-Vertretern in eine neue Schuldenkrise münden. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte laut Financial Times, übermäßige Hilfsprogramme könnten „ernsthafte fiskalische Folgen“ haben. Viele Staaten hätten nach früheren Krisen nur noch begrenzte finanzielle Spielräume. Auch Energiekommissar Dan Jørgensen mahnte zur Vorsicht: Entwicklungen im Energiesektor könnten schnell auf die gesamte Wirtschaft übergreifen. Die EU drängt daher auf koordinierte und zurückhaltende Maßnahmen.

Kritik an fossiler Abhängigkeit

Experten sehen in der Entwicklung ein strukturelles Problem. Der Leiter des Energieprogramms bei Global Witness, Patrick Galey, erklärte laut Guardian: „Globale Krisen führen immer wieder zu Rekordgewinnen bei Ölkonzernen, während die Bevölkerung die Kosten trägt.“ Auch Vertreter von Thinktanks und internationalen Organisationen warnen vor den Folgen der Abhängigkeit von fossilen Energien. Der Klimachef der Vereinten Nationen, Simon Stiell, sagte dem Bericht zufolge, fossile Energieträger machten Staaten anfällig für Preisschocks und geopolitische Konflikte.

Der Konflikt gilt bereits jetzt als einer der größten Schocks für den globalen Energiemarkt. Internationale Organisationen warnen vor langfristigen Folgen für Inflation, Wachstum und Versorgungssicherheit.