Energiekrise

Wegen Iran-Krieg: Deutsche Fernwärmekunden erwarten Mehrkosten

Gasmärkte geraten durch Nahost-Konflikt unter Druck. Fernwärmekunden sind oft an lokale Anbieter gebunden. Es droht ein Abrechnungsschock.

Wird Heizen zum Luxus? Die Frage stellt sich vor allem für Fernwärmekunden.
Wird Heizen zum Luxus? Die Frage stellt sich vor allem für Fernwärmekunden.IMAGO/Frank Schneider

Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die globalen Gasmärkte erfasst. Für Verbraucher in Deutschland wird das vor allem dort spürbar, wo Fernwärme aus gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) stammt.

Diese Kraftwerke erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme und verbrennen dabei überwiegend Erdgas. Laut Branchenverband AGFW funktioniert der Großteil der deutschen Wärmenetze nach diesem Prinzip. Rund 15 Prozent der Wohnungen hierzulande werden mit Fernwärme beheizt, fast 80 Prozent davon von Mietern bewohnt.

Die gute Nachricht: Die Kostensteigerungen kommen mit Verzögerung an. „Der Versorger darf die Preise nur einmal im Jahr erhöhen, nur in manchen Fällen halbjährlich oder quartalsweise“, erläutert Florian Munder, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Fernwärmekunden sind in der Regel über zehn Jahre an ihren lokalen Anbieter gebunden. „Bis die hohen Großhandelspreise auf Fernwärme-Kunden durchschlagen, kann eine ganze Weile vergehen.“

AGFW-Chef Werner Lutsch bestätigt: Die meist jährliche Preisanpassung glättet Schwankungen und verhindert, dass extreme Ausschläge sofort weitergegeben werden. Ein ähnliches Muster war nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu beobachten, als die Fernwärmepreise erst mit monatelanger Verspätung anzogen.

Die schlechte Nachricht: Gerade Mieter erfahren oft erst über ihre jährliche Heizkostenabrechnung, wie stark die Preise gestiegen sind – und können den Anbieter nicht wechseln. Wie stark einzelne Haushalte betroffen sind, hängt vom lokalen Brennstoffmix, der Beschaffungsstrategie des Versorgers und den verwendeten Preisindizes ab.

Iran-Krieg sorgt für Unsicherheit und Lieferengpässe

Seit die iranischen Revolutionsgarden die Straße von Hormus weitgehend lahmlegen, ist der Tankerverkehr durch die strategisch zentrale Meerenge am Persischen Golf laut Internationaler Energieagentur (IEA) nahezu zum Erliegen gekommen. Iranische Drohnenangriffe stoppten zudem Anfang März die LNG-Produktion in Katar, wie Reuters meldete.

Katar erklärte daraufhin Force Majeure – konnte also laufende Lieferverträge nicht mehr erfüllen. Der europäische Referenzpreis für Erdgas stieg laut IEA innerhalb weniger Tage um mehr als 70 Prozent. Laut S&P Global konkurrieren europäische Abnehmer nun zusätzlich mit asiatischen Käufern um knappe Ersatzladungen. Die EU-Gasspeicher lagen Mitte März bei nur rund 29 Prozent, in Deutschland bei knapp 22 Prozent.

Der AGFW betont, dass bereits ein Drittel der Fernwärme aus erneuerbaren Quellen und Abfall stammt. Langfristig sollen Großwärmepumpen und Solarthermie fossile Brennstoffe ablösen. Doch die Bundesregierung aus Union und SPD will das Heizungsgesetz von 2023 abschaffen und Eigentümern wieder die freie Heizungswahl lassen. Der Verbraucherschützer Munder warnt: „Damit droht das Momentum zu verschwinden, dass Deutschland insgesamt weg von der Gasheizung will.“ So bleibe die Bundesrepublik anfällig für Verwerfungen auf dem Gasmarkt wie die aktuelle.