Energieversorgung

Nach Angriffen auf Katar: LNG-Exporte nach Europa und Asien wohl jahrelang gefährdet

Milliardenschäden: Energieanlagen in Katar wurden durch iranische Angriffe schwer beschädigt. Nun warnt der staatliche Energiekonzern QatarEnergy vor langfristigen Folgen.

Eine Gasförderanlage im Industriezentrum Ras Laffan
Eine Gasförderanlage im Industriezentrum Ras LaffanManeesh Bakshi/AP/dpa

Raketenangriffe auf Katars Industriestadt Ras Laffan haben mehrere LNG-Anlagen schwer beschädigt und damit rund 17 Prozent der katarischen LNG-Exportkapazität lahmgelegt, wie der staatliche Energiekonzern QatarEnergy auf X mitteilte. Der erwartete jährliche Umsatzverlust beläuft sich auf rund 20 Milliarden US-Dollar.

Katars Energieminister und QatarEnergy-Chef Saad al-Kaabi erklärte gegenüber Reuters, bei Angriffen am 18. und 19. März seien zwei LNG-Verflüssigungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von 12,8 Millionen Tonnen pro Jahr getroffen worden. Beide Anlagen werden als Joint Ventures mit dem US-Ölkonzern ExxonMobil betrieben.

Katar: Langfristige LNG-Lieferverträge in Gefahr

Die Reparaturen könnten laut QatarEnergy drei bis fünf Jahre dauern. „Das bedeutet, dass wir gezwungen sein werden, bei einigen langfristigen LNG-Verträgen bis zu fünf Jahre lang Force majeure zu erklären“, sagte al-Kaabi auf X. Dabei handelt es sich um eine rechtliche Klausel, die Vertragsparteien bei höherer Gewalt von ihren Lieferpflichten befreit. Konkret nannte al-Kaabi Auswirkungen auf China, Südkorea, Italien und Belgien.

Neben den LNG-Anlagen wurde auch die von Shell betriebene Pearl-GTL-Anlage getroffen, die Erdgas in Kraftstoffe, Motoröle und Wachse umwandelt. Der Schaden wird noch begutachtet, die Anlage dürfte mindestens ein Jahr stillstehen, so al-Kaabi. Auch das massive Erweiterungsprojekt North Field, mit dem Katar seine LNG-Produktion ausbauen wollte, liegt derzeit still und könnte sich um mehr als ein Jahr verzögern, berichtete Reuters.

Auswirkungen von Indien bis Südkorea

Auch Katars Kondensatexporte werden laut QatarEnergy um rund 24 Prozent, Flüssiggas (LPG) um 13 Prozent, Helium um 14 Prozent sowie Naphtha und Schwefel um jeweils 6 Prozent sinken. Die Ausfälle haben laut Reuters weitreichende Auswirkungen, etwa auf indische Restaurants, die LPG nutzen, oder auch südkoreanische Chiphersteller, die Helium verwenden.

Trump drohte mit Sprengung des South-Pars-Gasfelds

Nach Angriffen Israels auf das iranische Gasfeld South Pars hatte der Iran mit Angriffen auf Katar reagiert. US-Präsident Donald Trump erklärte auf Truth Social, die USA und Katar seien an den Angriffen auf South Pars nicht beteiligt gewesen. Trump schrieb, Israel werde keine weiteren Angriffe auf das Gasfeld durchführen, es sei denn, der Iran greife erneut Katar an. In diesem Fall würden die USA „das gesamte South-Pars-Gasfeld“ in die Luft sprengen.

„Jeder auf der Welt – ob Israel, die USA oder ein anderes Land – sollte Öl- und Gasanlagen verschonen“, appellierte QatarEnergy-Chef al-Kaabi gegenüber Reuters.