Iran-Krieg

Trackingdaten zeigen: 15 Schiffe passieren Straße von Hormus in drei Tagen

Der Schiffsverkehr durch eine der wichtigsten Öl-Routen der Welt ist stark eingebrochen. Daten von MarineTraffic zeigen ungewöhnliche Routen und ein Ungleichgewicht bei den Fahrten.

Die Satellitenaufnahme der Nasa zeigt die Straße von Hormus, die den Golf von Oman (l) mit dem Persischen Golf (r) verbindet.
Die Satellitenaufnahme der Nasa zeigt die Straße von Hormus, die den Golf von Oman (l) mit dem Persischen Golf (r) verbindet.Nasa/dpa

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist derzeit stark eingeschränkt. Darauf deuten aktuelle Schiffsverfolgungsdaten der Plattform MarineTraffic hin, die auf AIS-Signalen und satellitengestützter Auswertung beruhen.

Demnach passierten in den vergangenen drei Tagen lediglich 15 Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Darunter waren acht Massengutfrachter, fünf Tanker sowie zwei Flüssiggas-Tanker.

Reedereien weichen auf ungewöhnliche Routen aus

Wie MarineTraffic auf der Plattform X mitteilte, handelte es sich bei rund 87 Prozent der Durchfahrten um auslaufende Schiffe. Nur etwa 13 Prozent seien in den Persischen Golf eingefahren. Das deutet auf ein deutliches Ungleichgewicht im Schiffsverkehr hin.

Auffällig ist laut den Daten zudem die Routenwahl: Mehrere Schiffe hätten ungewöhnliche Wege genommen und seien teilweise durch iranische Hoheitsgewässer gefahren. Solche Abweichungen gelten als Hinweis darauf, dass Reedereien Risiken in der Region neu bewerten.

Auch die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Agency berichtet unter Berufung auf MarineTraffic-Daten von einer weiterhin begrenzten Passage durch die Meerenge.

Die Straße von Hormus zählt zu den strategisch wichtigsten Nadelöhren des Welthandels. Schätzungen zufolge wird rund ein Fünftel der weltweit gehandelten Ölmenge durch die Passage transportiert.

Der Rückgang des Schiffsverkehrs fällt in eine Phase wachsender militärischer Spannungen in der Region. US-Präsident Donald Trump hat zuletzt vorgeschlagen, den Handel durch militärische Eskorten zu sichern. Demnach könnten Kriegsschiffe aus den Vereinigten Staaten sowie von Nato-Partnern und asiatischen Staaten Tanker durch die Meerenge begleiten. Die US-Marine ist nach Angaben von US-Energieminister Chris Wright gegenwärtig nicht in der Lage, Öltanker durch die Straße von Hormus zu geleiten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte am Dienstag, sein Land werde sich nicht an einer Militäroperation für die Öffnung der Straße von Hormus beteiligen. Auch die deutsche Bundesregierung schließt eine Beteiligung an einer solchen Mission aus. „Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg, das haben wir vom ersten Tag an gesagt“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag in Berlin.

Militärische Eskorte gilt als riskant und schwer umsetzbar

Militärexperten halten ein solches Vorgehen für komplex und riskant, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Für den Schutz eines Konvois aus fünf bis zehn Handelsschiffen wären nach Einschätzungen aus der Branche mehrere Zerstörer notwendig. Das Schifffahrtsmagazin „Lloyd’s List“ schreibt unter Berufung auf Sicherheitsbehörden und Experten, dass dafür etwa acht bis zehn Kriegsschiffe gebraucht werden könnten. Zudem müssten ausreichend Einheiten zunächst in der Region zusammengezogen werden.

Die geografischen Bedingungen erschweren den Einsatz zusätzlich. Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle nur 25 bis 40 Kilometer breit. Große Tanker und Kriegsschiffe hätten dort nur begrenzten Raum für Manöver. Der US-Sender CNN berichtet unter Berufung auf Militärexperten von „toten Winkeln“ und sehr kurzen Reaktionszeiten, da die iranische Küste nahe liegt.

Als mögliche Bedrohungen gelten Raketen- und Drohnenangriffe sowie Seeminen. Der Schiffsmakler SSY erklärte laut dem Branchendienst Argus Media, das Gebiet „bevorzuge den Angreifer“. Minen müssten vor einer Passage aufwendig geräumt werden.

Hinzu kommen rechtliche Fragen. Nach Angaben von SSY erlaubt US-Recht eine Eskorte durch die US-Marine nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa wenn Schiffe unter US-Flagge fahren oder US-Bürger an Bord sind.