Nahost

KI-Infrastruktur im Visier: Iran greift laut Bericht Amazon-Rechenzentren im Golf an

Der Iran soll einem Medienbericht zufolge Amazon-Rechenzentren im Golf mit Drohnen angegriffen haben. Experten sprechen von einem möglichen ersten Angriff auf große Cloud-Infrastruktur.

Amazon Web Services (AWS) betreibt weltweit große Cloud-Rechenzentren. Laut der „Financial Times“ sollen Anlagen des Unternehmens im Golf Ziel von Drohnenangriffen gewesen sein.
Amazon Web Services (AWS) betreibt weltweit große Cloud-Rechenzentren. Laut der „Financial Times“ sollen Anlagen des Unternehmens im Golf Ziel von Drohnenangriffen gewesen sein.Dwi Anoraganingrum/imago

Der Iran hat laut einem Bericht der Financial Times Rechenzentren des US-Cloudanbieters Amazon Web Services (AWS) in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain mit Drohnen angegriffen. Experten gehen demnach davon aus, dass es sich um den weltweit ersten militärischen Angriff auf große kommerzielle Cloud-Infrastruktur eines US-Technologiekonzerns handeln könnte.

Zunächst lag keine unabhängige Bestätigung vor, dass es sich um iranische Angriffe gehandelt hatte. Die mit den iranischen Revolutionsgarden verbundene Nachrichtenagentur Fars erklärte jedoch, bei den Drohnenangriffen seien gezielt Einrichtungen von Amazon und Microsoft ins Visier genommen worden. Microsoft teilte mit, in der Region keine Ausfälle festgestellt zu haben.

Amazon bestätigte dem Bericht zufolge, dass zwei seiner Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt von Drohnen getroffen worden seien. Dadurch seien zwei von drei sogenannten Verfügbarkeitszonen ausgefallen, die normalerweise sicherstellen sollen, dass Cloud-Dienste auch bei technischen Problemen weiterlaufen. Ein AWS-Standort in Bahrain sei zudem durch einen Angriff in der Nähe beeinträchtigt worden.

Die Störungen hätten zeitweise Dienste in mehreren Ländern der Region beeinträchtigt, darunter Anwendungen für Online-Banking und andere digitale Plattformen. Amazon arbeite laut Bericht seit mehreren Tagen daran, die betroffenen Systeme wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. Kunden seien demnach aufgefordert worden, ihre Daten und Anwendungen vorsorglich in andere AWS-Regionen zu verlagern.

Fars: Tech-Konzerne gezielt im Visier

Analysten sehen in den Angriffen laut Financial Times eine neue Dimension der Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA. Die großen Cloudanbieter Amazon, Microsoft und Google dominieren den globalen Markt für sogenannte Hyperscaler-Rechenzentren, die weltweit digitale Dienste, Unternehmenssoftware und zunehmend auch Anwendungen im Bereich künstlicher Intelligenz betreiben.

Die Staaten am Golf investieren derzeit Milliarden in solche Anlagen, um sich als internationale Zentren für KI und digitale Infrastruktur zu etablieren. In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten entstehen mehrere große Rechenzentrumsprojekte, an denen US-Technologiekonzerne beteiligt sind.