Deutschland verzeichnet die niedrigste Netto-Investitionsquote seit der Wiedervereinigung. Im vergangenen Jahr haben Unternehmen, der Staat und Privatpersonen unter dem Strich so wenig in Bau, Maschinen, Geräte und Infrastruktur investiert wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit 1990. Das geht aus Daten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Statistischen Bundesamts hervor.
Die Netto-Investitionsquote setzt die getätigten Investitionen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) – also zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. Dabei werden Abschreibungen, also der Wertverlust bestehender Anlagen, bereits herausgerechnet. Was übrig bleibt, zeigt, wie viel tatsächlich neu aufgebaut wird. Und dieser Wert ist auf einem historischen Tief angelangt.
Laut den Zahlen handelt es sich nicht um eine kurzfristige Schwäche, sondern um einen jahrzehntelangen Abwärtstrend. Über die gesamte Zeit seit der Wiedervereinigung ist der Anteil der Investitionen an der Wirtschaftsleistung kontinuierlich gesunken.
Linken-Politiker: „Infrastruktur im Niedergang"
Der Linken-Sozial- und Wirtschaftspolitiker Ince ordnete die Zahlen als Beleg für ein strukturelles Problem ein. Es werde seit Jahren zu wenig investiert, sagte er. Die Daten bestätigten, was viele Menschen in ihrem Alltag längst wahrnähmen: marode Schulen, kaputte Straßen und eine Infrastruktur, die zunehmend verfalle.
Die Diskussion über den Investitionsstau dürfte damit erneut an Fahrt gewinnen. Die Frage, wie Deutschland seine öffentliche und private Infrastruktur modernisieren kann, gehört zu den zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderungen – und die aktuellen Zahlen unterstreichen, dass sich die Lage weiter verschärft hat, statt sich zu verbessern.


