Die anhaltenden Ausfälle beim mobilen Internet in russischen Städten treffen zunehmend die Wirtschaft in Moskau. Geschäfte, Restaurants und Dienstleister berichten von massiven Problemen, weil Kunden vielerorts nicht mehr digital bezahlen können und Apps für Taxis oder Lieferdienste zeitweise ausfallen.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP wurden zuletzt auf Mobiltelefonen im Zentrum Moskaus zahlreiche ausländische Webseiten blockiert. Die Einschränkungen dauern bereits seit mehr als einer Woche an und betreffen Millionen Einwohner. Ähnliche Störungen wurden zuvor auch aus anderen russischen Regionen gemeldet, unter anderem in St. Petersburg.
Russische Behörden erklären, die Maßnahmen dienten dem Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Abschaltungen erfolgten „in strikter Übereinstimmung mit dem Gesetz“ und würden so lange aufrechterhalten, wie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig seien.
Testlauf für ein abgeschottetes Internet
Viele Experten vermuten jedoch einen anderen Hintergrund. Die Einschränkungen könnten eine Art Testlauf sein, um den Zugang zum globalen Internet künftig stärker zu kontrollieren oder im Ernstfall vollständig abzuschalten.
Die Störungen begannen Anfang März zunächst in Randgebieten Moskaus und breiteten sich später auch im Zentrum aus. Während der Abschaltungen sind teilweise nur noch bestimmte russische Webseiten erreichbar, die auf sogenannten „Whitelist“-Listen der Behörden stehen. Kritiker warnen, dass ein solches System den Zugang zum offenen Internet stark einschränken könnte, weil nur noch staatlich genehmigte Dienste verfügbar wären.
Doch selbst einige dieser genehmigten Angebote funktionierten zuletzt nicht zuverlässig. Betroffen waren unter anderem Bank-Apps, Geldautomaten und Parkautomaten, die auf mobile Internetverbindungen angewiesen sind. Für viele Unternehmen hat das spürbare Folgen.

Das russische Wirtschaftsblatt Kommersant schätzt, dass die Internetausfälle allein in den ersten fünf Tagen wirtschaftliche Schäden von drei bis fünf Milliarden Rubel verursacht haben könnten. Das entspricht etwa 35 bis 58 Millionen Euro. Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte berichten, dass viele Kunden ihre Einkäufe nicht bezahlen konnten. Auch Taxidienste mussten teilweise auf Telefonbestellungen und Barzahlung umstellen.
Russland: Verkauf von Walkie-Talkies und Pagern steigt
Einige Moskauer greifen inzwischen wieder auf ältere Kommunikationsmittel zurück. Russische Medien berichten über steigende Verkäufe von Walkie-Talkies, Pagern sowie Stadt und Straßenkarten. Nach Angaben des Online-Marktplatzes Wildberries & Russ stieg der Umsatz mit Walkie-Talkies Anfang März um 27 Prozent, während der Verkauf von Pagern sogar um 73 Prozent zunahm.

Die Abschaltungen sind Teil einer umfassenden Strategie der russischen Behörden, das Internet stärker zu kontrollieren. Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine im Februar 2022 wurden zahlreiche internationale Plattformen blockiert oder eingeschränkt, darunter Facebook, Instagram und Twitter. Gleichzeitig treiben die Behörden den Aufbau eigener digitaler Dienste voran. Kritiker sehen darin den Versuch, ein stärker abgeschottetes russisches Internet zu schaffen, in dem Kommunikation und Informationsfluss leichter überwacht werden können.



