Inmitten der angespannten weltweiten Energielage durch den Krieg im Nahen Osten hat China Taiwan erneut eine stabile Energieversorgung in Aussicht gestellt – unter der Bedingung einer „Wiedervereinigung“ mit Peking, die Taiwan seit langem strikt ablehnt.
Die Energie- und Ressourcenversorgung Taiwans wäre „mit einem starken Mutterland im Rücken“ besser gesichert, erklärte ein Sprecher des Taiwan-Büros des chinesischen Staatsrats, Chen Binhua, während einer Pressekonferenz am Mittwoch. Er antwortete dabei auf die Frage eines Journalisten nach Sorgen vor einer möglichen Öl- und Gasknappheit in Taiwan aufgrund des Iran-Kriegs.
Taiwan setzt auf USA und sieht Energieversorgung gesichert
Chen sagte weiter, dass nach einer „friedlichen Wiedervereinigung“ Defizite Taiwans bei Strom, Erdgas und Rohöl ausgeglichen werden könnten. „Wir sind bereit, den taiwanesischen Mitbürgern eine stabile und verlässliche Versorgung mit Energie und Ressourcen zu gewährleisten, damit sie ein besseres Leben führen können“, so der Sprecher.
Eine unmittelbare Reaktion der taiwanesischen Regierung auf die Aussagen lag laut Reuters zunächst nicht vor. Taiwans Präsident Lai Ching-te erklärte dem Bericht zufolge jedoch am Mittwoch, dass die Energieversorgung für diesen und den nächsten Monat gesichert sei und ab Juni mehr US-Gas importiert werde.
„Taiwan verfolgt bei seinen Energieimporten einen diversifizierten und auf mehreren Energiequellen basierenden strategischen Ansatz“, sagte Lai demnach. Die Insel bezieht laut Reuters normalerweise rund ein Drittel seiner LNG-Importe aus Katar. LNG- und Öltransporte sind derzeit durch die weitgehende Blockade der Straße von Hormus jedoch stark eingeschränkt.
Taipeh hat Pekings Ansprüche auf die Insel in der Vergangenheit mehrfach abgelehnt. Keine der großen taiwanesischen Parteien unterstützt Reuters zufolge das von China angebotene Modell „Ein Land, zwei Systeme“. China hat den möglichen Einsatz von Gewalt zur Kontrolle Taiwans nicht öffentlich ausgeschlossen.
China verhängt offenbar Exportverbot für Treibstoffe
Bereits im vergangenen Oktober hatte China Reuters zufolge erstmals sieben angebliche Vorteile einer Wiedervereinigung für Taiwan skizziert, darunter wirtschaftliche Unterstützung. Zugleich stellte Peking klar, dass die Insel von „Patrioten“ regiert werden müsse.
China kämpft zudem selbst mit den Folgen der Nahostkrise: Als weltgrößter Ölimporteur verhängte Peking vergangene Woche ein Exportverbot für Treibstoffe bis mindestens Ende März, um inländische Engpässe zu vermeiden, berichtete Reuters unter Berufung auf anonyme Quellen. Dadurch werden dem Bericht zufolge Exporte beschränkt, die sich im vergangenen Jahr auf 22 Milliarden US-Dollar beliefen.

