Wirtschaft

Inflation: Deutlicher Anstieg durch Iran-Krieg erwartet, Lebensmittel vor Preiserhöhung

Die Inflation in Deutschland ließ zuletzt nach, wird Prognosen zufolge aber schon bald drastisch zunehmen. Familien sind von aktuellen Preisanstiegen besonders betroffen.

Lebensmittelpreise verteuerten sich zuletzt weniger, doch der Trend dürfte sich verändern.
Lebensmittelpreise verteuerten sich zuletzt weniger, doch der Trend dürfte sich verändern.Sebastian Kahnert/dpa

Die deutsche Inflationsrate ist im Februar 2026 auf 1,9 Prozent gesunken – doch die Entspannung dürfte nur von kurzer Dauer sein. Der Ende Februar ausgebrochene Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die Rohölpreise auf über 90 US-Dollar je Fass getrieben, Kraftstoffpreise kletterten auf über zwei Euro je Liter. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung rechnet damit, dass die Teuerungsrate im ersten und zweiten Quartal auf „merklich über 2,5 Prozent“ steigt.

Laut Statistischem Bundesamt wirkte im Februar vor allem der schwächere Preisanstieg bei Nahrungsmitteln (+1,1 Prozent) dämpfend – Butter verbilligte sich um 32,9 Prozent, Kartoffeln um 18,1 Prozent. Dagegen stiegen die Preise für Kaffee, Tee und Kakao um 16,7 Prozent, für Schokolade um 13,7 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich unverändert um 3,2 Prozent, die Kernrate verharrte bei 2,4 Prozent. Die Auswirkungen des Irankriegs sind in den Februar-Daten noch nicht enthalten.

Doch auch bei den Lebensmittelpreisen könnte bald neuer Aufwärtsdruck entstehen. Da Stickstoffdünger auf Erdgas basiert, verteuert der Konflikt in Nahost auch Düngemittel erheblich. Hält die Krise an, dürften sich vor allem Getreideprodukte, Kartoffeln, Mais und Reis verteuern. Weil Soja und Mais auch als Futtermittel eingesetzt werden, könnte langfristig auch Fleisch teurer werden.

Spritpreise weiterhin hoch – Familien besonders betroffen

Die Spritpreise liegen trotz leichter Entspannung in den vergangenen Tagen weiterhin über zwei Euro je Liter – sowohl für Benzin als auch für Diesel. Im Vergleich zum Niveau vor dem Irankonflikt zahlen Dieselfahrer gut 54 Cent mehr pro Liter, bei Super E10 sind es fast 30 Cent.

Laut IMK-Berechnungen trifft der Kraftstoffpreisanstieg Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie Alleinerziehende besonders hart, da Autokosten bei ihnen stärker ins Gewicht fallen. Ein Anstieg um 20 Cent je Liter erhöht deren Inflationsrate bereits um 0,6 Prozentpunkte – bei einkommensschwachen Alleinlebenden ohne Auto nur um 0,2 Prozentpunkte.

Der Bundestag reagierte am Donnerstag mit dem Beschluss eines Kraftstoffmaßnahmenpakets. Tankstellen dürfen die Preise künftig nur noch einmal täglich erhöhen, Senkungen bleiben jederzeit möglich. Zudem erhält das Bundeskartellamt erweiterte Befugnisse gegen marktbeherrschende Unternehmen im Kraftstoffsektor.

EZB verschärft den Ton: Steht eine Zinserhöhung bevor?

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde warnte am Mittwoch in Frankfurt vor einer Ausbreitung des Preisschocks und sprach von „Gründen zur Wachsamkeit“ – ein möglicher Hinweis auf eine Zinserhöhung. Eine solche Maßnahme würde den Inflationsanstieg langfristig bekämpfen, aber das Wirtschaftswachstum bremsen.

Lagarde zog Parallelen zum Inflationsschock von 2022/2023. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins stabil bei zwei Prozent gehalten. Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und EZB-Direktorin Isabel Schnabel verwendeten das Signalwort „wachsam“. An den Finanzmärkten steigt die Nervosität: Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen kletterte seit Kriegsbeginn von knapp zwei auf bis zu 2,76 Prozent.

Das IMK hält eine Zinserhöhung dagegen für „verfehlt“. Inflationsexpertin Silke Tober argumentiert, der Schock unterscheide sich grundlegend vom Ukrainekrieg: Der Iran sei bereits sanktioniert, Änderungen der Handelsbeziehungen seien nicht zu erwarten. Sollte die Blockade im Sommer enden, dürften die Energiepreise auf das Niveau von Ende 2025 zurückfallen. Im kommenden Jahr werde die Inflation durch Basiseffekte „spürbar unter 2 Prozent“ sinken, während höhere Zinsen die angeschlagene Industrie zusätzlich belasten würden.