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Unifil-Soldaten getötet: Indonesien fordert UN-Untersuchung

Hinweise auf israelischen Panzerbeschuss: Indonesien weist Israels Darstellung zu den im Südlibanon getöteten Blauhelmen scharf zurück und spricht von Kriegsverbrechen.

Soldaten der Unifil patrouillieren an der Grenze zwischen Libanon und Israel.
Soldaten der Unifil patrouillieren an der Grenze zwischen Libanon und Israel.Ali Hashisho/imago

Indonesien hat die Vereinten Nationen aufgefordert, den Tod dreier indonesischer Blauhelmsoldaten im Südlibanon eigenständig zu untersuchen. Der indonesische Uno-Botschafter Umar Hadi stellte die Forderung laut Reuters bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats am Dienstag in New York. „Wir verlangen eine Untersuchung durch die Uno, keine Ausreden von Israel“, sagte Hadi.

Die drei Soldaten der Uno-Interimstruppe im Libanon (Unifil) waren bei zwei getrennten Explosionen im Südlibanon ums Leben gekommen. Am Sonntag schlug ein Geschoss nahe der Stadt Adschit al-Kusair in eine Unifil-Stellung ein und tötete den 27 Jahre alten Obergefreiten Farizal Rhomadhon. Drei weitere indonesische Soldaten wurden verletzt. Laut AFP fanden Uno-Sicherheitskreise Trümmerteile einer Panzergranate am Einschlagsort. Sie werteten den Fund als Beleg für israelischen Beschuss.

Am Montag starben Major Zulmi Aditya Iskandar (33) und Feldwebel Muhammad Nur Ichwan (25), als eine Explosion ihr Konvoifahrzeug nahe Bani Haiyyan zerstörte. Zwei weitere Soldaten wurden verwundet. Uno-Friedenssicherungschef Jean-Pierre Lacroix sprach laut Reuters von einer Straßenrandexplosion.

Die Uno-Interimstruppe im Libanon überwacht seit 1978 die Lage im Grenzgebiet zu Israel und soll zur Stabilisierung des Südlibanon beitragen. Ihr Mandat umfasst die Beobachtung von Waffenstillstandsverletzungen, die Unterstützung der libanesischen Armee und die Meldung sicherheitsrelevanter Vorfälle an die Vereinten Nationen. Angriffe auf Unifil-Soldaten haben deshalb meist über den Einzelfall hinaus politische und diplomatische Bedeutung.

Indonesien nennt die Namen der Gefallenen

Umar Hadi verlas zu Beginn seiner neunminütigen Erklärung die Namen und das Alter aller drei Getöteten sowie der fünf verwundeten Kameraden, wie Jakarta Globe berichtete. Statt des üblichen „years old“ verwendete er die Formulierung „years young“. Die Soldaten hätten noch viele Jahre vor sich gehabt. Indonesien bezeichnete die Angriffe als Kriegsverbrechen und forderte strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen. „Immunität darf nicht zum Standard werden“, sagte Hadi. Seine Erklärung schloss er mit den Worten „no more attacks“.

Israels Uno-Botschafter Danny Danon hatte zuvor die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz für beide Vorfälle verantwortlich gemacht. Er zeigte eine Karte, die Raketenwerfer der Miliz in der Nähe von Unifil-Stellungen belegen sollte. „Sie haben Unifil ins Kreuzfeuer gestellt – das ist kein Zufall“, sagte Danon laut Jakarta Globe. Die israelische Armee erklärte laut Reuters, beim Vorfall am Montag seien keine israelischen Soldaten vor Ort gewesen und kein Sprengkörper durch israelische Truppen platziert worden. Danon sprach den Familien sein Beileid aus, nannte die indonesische Nationalität der Getöteten dabei aber nicht.

Rückführung und Militärbestattung geplant

Die Vorbereitungen für die Überführung der Gefallenen laufen. Da zivile Flugrouten im Libanon gesperrt sind, muss der Transport laut der indonesischen Nachrichtenseite Tempo voraussichtlich über Ägypten oder Jordanien umgeleitet werden. In Indonesien ist eine Militärzeremonie am Hauptquartier der Streitkräfte geplant. Präsident Prabowo Subianto sprach den Familien am Dienstag über seinen Instagram-Kanal sein Beileid aus.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Militär angewiesen, die Einsätze im Südlibanon auszuweiten. Ziel sei es, den Norden Israels vor Angriffen der Hisbollah zu schützen und Bedrohungen von der Grenze fernzuhalten, sagte er laut Reuters. Konkret geht es um eine Ausdehnung der sogenannten Sicherheitszone.

Bereits zuvor hatte Verteidigungsminister Israel Katz angekündigt, israelische Streitkräfte würden die Kontrolle über das Gebiet bis zum Litani-Fluss übernehmen. Der Fluss liegt rund 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze.

Indonesien stellt mit 755 Soldaten das größte Kontingent der Unifil und gehört weltweit zu den größten Truppenstellern für Uno-Friedensmissionen. Zehn europäische Länder und die EU riefen am Dienstag alle Konfliktparteien auf, die Sicherheit der Unifil zu gewährleisten. An der Mission sind auch rund 200 Bundeswehrsoldaten beteiligt. Der Libanon wurde Anfang März in den Krieg hineingezogen, nachdem die Hisbollah Raketen auf Israel abgefeuert hatte.

Mit dem Vorrücken israelischer Einheiten verschärft sich die Lage auch für internationale Kräfte vor Ort. Immer wieder geraten UN-Soldaten zwischen die Fronten. Ihre Stellungen liegen in unmittelbarer Nähe der Kampfgebiete entlang der sogenannten Blauen Linie.