Nahost-Krieg

IEA, IWF und Weltbank schließen sich gegen den Energieschock zusammen

Die drei Institutionen warnen vor einer der größten Versorgungslücken in der Geschichte der globalen Energiemärkte. Was folgt daraus?

Flüssiggasflaschen in einem Vertriebszentrum bei Amritsar in Indien. Der Nahostkrieg belastet Energieversorgung und Preise.
Flüssiggasflaschen in einem Vertriebszentrum bei Amritsar in Indien. Der Nahostkrieg belastet Energieversorgung und Preise.Prabhjot Gill/AP

Die Internationale Energieagentur (IEA), der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben am Mittwoch laut Reuters die Bildung einer Koordinierungsgruppe vereinbart, um auf die wirtschaftlichen und energiepolitischen Folgen des Nahostkriegs zu reagieren. In einer gemeinsamen Erklärung vom 1. April bezeichneten die drei Organisationen die entstandene Versorgungslücke als eine der größten in der Geschichte der globalen Energiemärkte.

„In diesen Zeiten hoher Unsicherheit ist es von größter Wichtigkeit, dass unsere Institutionen ihre Kräfte bündeln, um die Entwicklungen zu beobachten, Analysen abzustimmen und die politischen Entscheidungsträger koordiniert zu unterstützen“, heißt es in der Erklärung.

Der Krieg begann am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Der Iran reagierte mit Attacken auf Israel, US-Stützpunkte und Golfstaaten. Zugleich wurde eine neue Front im Libanon eröffnet. Der Konflikt befindet sich im zweiten Monat und hat Tausende Todesopfer gefordert.

Auswirkungen auf Preise, Währungen und Lieferketten

Die Auswirkungen seien „substanziell, global und hochgradig asymmetrisch“ und träfen Energieimporteure sowie einkommensschwache Länder überproportional, erklärten die drei Institutionen.

Der Krieg habe die Preise für Öl, Gas und Düngemittel bereits in die Höhe getrieben und Sorgen um steigende Lebensmittelpreise ausgelöst. Globale Lieferketten für Helium, Phosphat, Aluminium und weitere Rohstoffe seien ebenfalls betroffen. Flugunterbrechungen an Drehkreuzen am Golf belasteten den Tourismus.

Die Marktvolatilität, schwächere Währungen in Schwellenländern und wachsende Inflationssorgen erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik und eines schwächeren Wachstums.

Finanzhilfen und Politikberatung als Instrumente

Die Koordinierungsgruppe soll drei Aufgaben übernehmen. Erstens soll sie die Schwere der Auswirkungen auf einzelne Länder durch gemeinsamen Datenaustausch bewerten – zu Energiemärkten, Handelsströmen, Haushalts- und Zahlungsbilanzbelastungen, Inflationstrends sowie Exportbeschränkungen bei Schlüsselrohstoffen.

Zweitens soll sie einen Reaktionsmechanismus koordinieren, der gezielte Politikberatung, die Einschätzung des Finanzierungsbedarfs und Finanzhilfen umfassen kann. Drittens soll sie weitere multilaterale, regionale und bilaterale Partner einbinden, um betroffene Staaten effizient zu unterstützen.

Diese Unterstützung gelte besonders für Länder, die den indirekten Folgen des Krieges stark ausgesetzt seien und zugleich über begrenzten politischen Spielraum und hohe Verschuldung verfügten, heißt es in der Erklärung. Die drei Organisationen betonten, sie wollten gemeinsam die globale wirtschaftliche und finanzielle Stabilität sichern, die Energiesicherheit stärken und betroffene Länder bei Erholung, Wachstum und Beschäftigung unterstützen.