Das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl hat nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) seine gesamte externe Stromversorgung verloren. „Auch die Stromleitungen zu anderen Kernkraftwerken waren betroffen“, erklärte die Organisation auf X.
IAEA-Generalsekretär Rafael Grossi teilte mit, dass mehrere für die nukleare Sicherheit wichtige Umspannwerke der Ukraine am Dienstagmorgen von „weitreichenden militärischen Aktivitäten“ betroffen seien. „Die IAEA verfolgt die Entwicklungen aktiv, um die Auswirkungen auf die nukleare Sicherheit zu bewerten“, fügte er hinzu.
Ukraine meldet Stromausfälle in Kiew nach russischen Angriffen
Auch der CEO des staatlichen ukrainischen Netzbetreibers Ukrenergo, Vitaliy Zaichenko, erklärte dem Kyiv Independent, Russland habe Umspannwerke ins Visier genommen, die auch mit aktiven ukrainischen Atomkraftwerken verbunden sind. Moskau sei es jedoch nicht gelungen, die Kraftwerke vom Netz zu trennen. „Wir waren erfolgreich“, sagte er demnach.
Russland hatte nach ukrainischen Angaben am frühen Dienstagmorgen einen kombinierten Drohnen- und Raketenangriff auf die Ukraine gestartet, wodurch erneut die Strom- und Heizungsversorgung von Tausenden von Wohnhäusern in Kiew unterbrochen wurde.
Die IAEA bestätigte im vergangenen Dezember, dass die Schutzvorrichtung der Anlage Tschernobyl beschädigt wurde. Grossi sagte einem Reuters-Bericht zufolge zu diesem Zeitpunkt, Reparaturen seien bereits durchgeführt worden, „aber eine umfassende Wiederherstellung ist weiterhin unerlässlich, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern und die langfristige nukleare Sicherheit zu gewährleisten“.
Die Organisation hatte AP zufolge im vergangenen Februar berichtet, dass nach ukrainischen Angaben eine russische Drohne die Anlage getroffen hätte. Moskau wies den Vorwurf zurück. Tschernobyl wurde im Jahr 1986 Ort der weltweit schlimmsten zivilen Nuklearkatastrophe, die radioaktive Strahlung über ganz Europa verteilte.

