Iran-Krieg

Hormus-Blockade: Donald Trump gibt sich trotzig – sein Finanzminister Scott Bessent fleht China um Hilfe an

Trump bittet China um Hilfe bei der Hormus-Blockade. Die US-Marine kann die Meerenge nicht allein öffnen. Doch Peking hat seine Antwort gegeben.

Donald Trump: Die Faust zum Gruße, die Hände leer.
Donald Trump: Die Faust zum Gruße, die Hände leer.Evan Vucci

Es ist eine bemerkenswerte Volte, die sich an diesem 4. Mai 2026 in Washington abspielt. Finanzminister Scott Bessent tritt vor die Kameras von Fox News und richtet eine Bitte – fast schon ein Flehen – an die Volksrepublik China: Peking möge doch bitte „mit etwas Diplomatie einspringen“ und Iran zur Öffnung der Straße von Hormus bewegen. Im selben Atemzug beschuldigt er China, durch seine iranischen Erdölkäufe „den größten staatlichen Sponsor des Terrorismus“ zu finanzieren. Es ist die Quadratur des Kreises in Echtzeit – und sie illustriert, wie tief sich die Trump-Regierung in einen Krieg verstrickt hat, dessen Kosten jeden Tag deutlicher werden.

Die Rechnung, die einfach nicht aufgehen will

Am 28. Februar 2026 hatten die USA gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen. Mehr als 5.500 Tote bilanzieren US-Medien inzwischen, im Iran, aber auch im Libanon, dem zweiten großen Schauplatz dieses regionalen US-israelischen Expansionskrieges.

Irans oberster Führer ist tot, weite Teile der Führungsriege ebenfalls. Eine militärisch eindrucksvolle Bilanz – wäre da nicht das, was Teheran als Antwort tat: Es schloss die Straße von Hormus, jene 33 Kilometer schmale Meerenge, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases floss.

Energiemärkte in Aufruhr

Die Folgen sind messbar, und sie sind hässlich. Brent notiert am Montag bei 114,44 US-US-Dollar das Barrel – ein Plus von rund 90 Prozent seit Jahresbeginn. WTI liegt bei 106,42 US-Dollar. Der US-Benzinpreis in den USA ist auf 4,46 US-Dollar pro Gallone geklettert – fast 50 Prozent teurer als bei Kriegsbeginn. Diesel kostet 5,64 US-Dollar, ebenfalls plus 50 Prozent. Rund 20.000 Seeleute auf 1.600 Schiffen sitzen laut Internationaler Seeschifffahrtsorganisation im Persischen Golf fest.

Die am 8. April vereinbarte Waffenruhe hatte Trump ursprünglich an die Öffnung der Meerenge geknüpft. Doch Iran hat sich nicht daran gehalten – und Washington hat im Gegenzug eine eigene Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt. Ein Patt mit Tankschiffen als Geiseln.

Project Freedom – ein Plan, der keiner ist

Trumps Antwort heißt „Project Freedom“: Die US-Marine soll festsitzende Handelsschiffe durch die Meerenge „lotsen“. Admiral Brad Cooper, Chef des Central Command, mobilisiert zwei Flugzeugträger, mehrere Zerstörer, über 100 Flugzeuge und 15.000 Soldaten. Am Montag passieren die Zerstörer USS Truxtun und USS Mason die Straße, eskortieren zwei US-geflaggte Frachter. Dann eskaliert die Lage: Marschflugkörper und Drohnen aus dem Iran werden abgefangen, Apache-Hubschrauber versenken sechs iranische Schnellboote.

Parallel meldet die VAE einen Drohnenangriff auf die Tanklager von Fudschaira – das größte Öllager des Landes brennt, drei Inder werden verletzt. Vier iranische Marschflugkörper auf Emirate-Territorium. In Dubai dröhnen die Abfangraketen über der Stadt. Ein südkoreanischer Frachter brennt, ein Tanker der Abu Dhabi National Oil Company wird getroffen. Vier Wochen Waffenruhe – an einem Vormittag aufgekündigt.

Und die Reaktion der Schifffahrtsbranche? Eisig. Hapag-Lloyd erklärt, die Straße bleibe „bis auf Weiteres geschlossen“. Der Baltic and International Maritime Council fordert: Ohne Iran an Bord eines Plans gehe gar nichts. Die Versicherungsprämien sind ohnehin prohibitiv. „Project Freedom hat eine moderate Chance, einige Schiffe zu eskortieren“, urteilt die Kpler-Analystin Ana Subasic, „aber eine geringe Chance, Hormus schnell vollständig wieder zu öffnen.“

Statt durchschnittlich fünf Schiffen pro Tag passierten in den vergangenen 48 bis 70 Stunden nur drei die Meerenge. Die militärische Großmacht USA kann die Welthandelsroute nicht erzwingen – sie kann die Blockade höchstens punktuell umgehen.

Der Anruf in Peking

In dieser Lage ruft Bessent China zur Hilfe. Es ist eine Bitte mit eingebauter Beleidigung: Peking solle „einspringen“, weil es ja bisher 90 Prozent der iranischen Energieexporte gekauft und damit den Terror finanziert habe. Trump will Mitte Mai in Peking mit Xi Jinping zusammentreffen – ein Gipfel, der wegen des Iran-Krieges schon einmal verschoben werden musste.

Doch die Antwort aus Peking war bereits am Wochenende erfolgt, und sie war eindeutig. Das chinesische Handelsministerium aktivierte die „Blocking Measure“ von 2021 und wies chinesische Unternehmen an, US-Sanktionen zu ignorieren.

Konkret hatte das Treasury am 24. April die unabhängige Raffinerie Hengli Petrochemical sanktioniert, einen der größten Abnehmer iranischen Rohöls von den Revolutionsgarden. Pekings Antwort: Wir machen weiter. Es ist der bisher offenste Akt chinesischen Widerstandes gegen US-Sanktionen – und er zwingt den westlichen Bankensektor in eine unmögliche Wahl.

Pekings Position ist klar formuliert: Die Wurzel der Hormus-Krise liege in den „illegalen militärischen Aktivitäten“ der USA und Israels. Sicherheit der Seewege sei nur mit Waffenruhe zu haben. China bezieht sich auf seine Energierealität: Über die Hälfte seiner Ölimporte kommt aus der Golfregion, allein aus Iran 80 bis 90 Prozent von dessen Exporten. Gleichzeitig hat Peking jahrelang vorgesorgt – durch Pipelines aus Russland und Zentralasien, den Hafen Chabahar, strategische Reserven, massive Erneuerbaren-Investitionen.

Bessents Forderung läuft im Kern darauf hinaus, dass China seine eigenen geoökonomischen Interessen verraten und sich dabei vorwerfen lassen soll, Terrorist gewesen zu sein. Es ist diplomatisch absurd – und es zeigt, wie eng der Spielraum in Washington geworden ist.

Trump in der eigenen Sackgasse

Drei Lehren lassen sich aus dem Geschehen zu Wochenbeginn ziehen.

Erstens: Wer Iran militärisch zerschlägt, ohne den Schlüssel zu Hormus zu kontrollieren, hat ein strategisches Patt produziert, keinen Sieg. Die US-Marine kann Schnellboote versenken; sie kann eine Welthandelsroute aber nicht im Alleingang sichern, solange iranische Drohnen für 20.000 Dollar das Stück 200-Millionen-Tanker bedrohen. Die Asymmetrie der Kosten arbeitet gegen Washington.

Zweitens: Die ökonomische Front ist längst aufgerissen. 4,46 Dollar pro Gallone im Wahlvolk Trumps; ein S&P, der trotz fünf Gewinnerwochen nun um 0,4 Prozent abgibt; eine Inflationswelle, die durch Diesel- und Kerosinpreise getrieben wird. Der „Project Freedom“-Heroismus löst nichts davon. Senator Lindsey Graham und Naftali Bennett fordern bereits eine neue Angriffswelle gegen Iran – die Logik der Eskalation wird zur Standardantwort, weil die Standardlogik versagt.

Drittens – und am wichtigsten: Die Bitte an China entlarvt die Strategie als das, was sie ist: Ein Bluff, dessen Karten aufgedeckt sind. Peking weiß, dass Washington Hormus nicht ohne Hilfe öffnen kann. Es weiß, dass jeder Tag der Blockade die ökonomischen Kosten in den USA und Europa erhöht, während China selbst durch Diversifizierung und Pipelines abgefedert ist. Es weiß, dass es Trump beim Gipfel in Peking als Bittsteller empfangen wird. Und es weiß, dass jede „Vermittlung“ Pekings ein geopolitischer Triumph wäre – nicht für Washington, sondern für die Volksrepublik.

Die Trump-Regierung hat sich, um Bessents eigenes Bild zu wenden, in eine Lage manövriert, in der sie nicht nur die Welthandelsroute nicht öffnen kann, sondern den systemischen Rivalen um Hilfe bitten muss, um sie zu öffnen. Dass dieser Rivale sich gleichzeitig weigert, die Sanktionsarchitektur zu respektieren, mit der man ihn dazu zwingen wollte – das ist die eigentliche Pointe dieses Montags.

Der Krieg gegen Iran sollte US-amerikanische Stärke demonstrieren.

Er demonstriert derzeit das exakte Gegenteil.