Der neue honduranische Präsident Nasry Asfura will knapp drei Jahre nach dem diplomatischen Wechsel von Taiwan zu China die Beziehungen des mittelamerikanischen Landes zu Peking erneut überprüfen.
Asfura hat laut der Nachrichtenagentur AP eine Überprüfung der Abkommen mit China angeordnet und wird am Samstag an einem Sicherheitsgipfel teilnehmen, den US-Präsident Donald Trump auf seinem Golfplatz bei Miami ausrichtet.
Druck aus Washington wegen Einfluss aus China
Hintergrund ist der wachsende Druck aus Washington, das den chinesischen Einfluss in Lateinamerika zurückdrängen möchte. Asfura, der mit Unterstützung Trumps gewählt wurde und im Januar sein Amt antrat, hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, die Beziehungen zu Peking zu überdenken. Wenige Tage nach seiner Vereidigung traf er Trump in Mar-a-Lago.
„Honduras ist wahrscheinlich das Land weltweit, das am ehesten die diplomatische Anerkennung wieder Taiwan zuerkennen könnte“, sagte der Politikwissenschaftler Francisco Urdinez von der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile gegenüber AP. Allerdings sei ein solcher Schritt komplex, da Honduras seit 2023 mehr als ein Dutzend Abkommen mit China unterzeichnet habe.
Einbruch bei Garnelenexporten
Die Garnelenindustrie des Landes verdeutlicht die wirtschaftlichen Folgen des diplomatischen Kurswechsels. Die Exporte nach Taiwan brachen laut AP von mehr als 100 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf nur noch 16 Millionen Dollar im Jahr 2025 ein. Mindestens 95 Garnelenfarmen und eine Verarbeitungsanlage mussten schließen, mehr als 25.000 Arbeitsplätze gingen verloren.
„Wir wurden getäuscht“, sagte Javier Amador, Geschäftsführer des honduranischen Aquakulturverbandes. Die frühere Präsidentin Xiomara Castro habe versprochen, dass sich mit China bessere Exportchancen eröffnen würden.
China reagierte diplomatisch zurückhaltend. Botschaftssprecher Liu Pengyu erklärte, Honduras habe seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen bessere Entwicklungsperspektiven und beide Länder hätten „fruchtbare Kooperationsergebnisse“ erzielt.
Taiwan-Frage als geopolitischer Faktor
Die Taiwan-Frage hat auch in Mittelamerika geopolitische Bedeutung. Sieben der weltweit noch zwölf Staaten, die Taiwan diplomatisch anerkennen, liegen in Lateinamerika und der Karibik.
Taiwan wird seit dem chinesischen Bürgerkrieg 1949 getrennt von der Volksrepublik China regiert. Peking betrachtet die Insel weiterhin als Teil seines Staatsgebiets und strebt eine „Wiedervereinigung“ an. International wird Taiwan von den meisten Staaten nicht als eigener Staat anerkannt. Die USA sind Taiwans wichtigster militärischer Unterstützer.


