Nahost

„Holt euch euer Öl selbst“: Trump attackiert Verbündete im Iran-Krieg

Der US-Präsident geht Verbündete scharf an und stellt weitere Hilfe infrage. Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht von entscheidenden Tagen und setzt auf Druck und Unberechenbarkeit.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpMark Schiefelbein/AP

US-Präsident Donald Trump hat Verbündete für ihre aus seiner Sicht fehlende Beteiligung an Einsätzen im Iran-Krieg attackiert. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „All jenen Ländern, die wegen der Straße von Hormus keinen Flugtreibstoff bekommen, wie etwa dem Vereinigten Königreich, das sich geweigert hat, sich an der Zerschlagung des Irans zu beteiligen, habe ich einen Vorschlag: Erstens, kauft in den USA, wir haben genug. Zweitens, geht in die Straße von Hormus und nehmt es euch einfach.“

„Ihr müsst lernen, für euch selbst zu kämpfen. Die USA werden euch nicht mehr helfen – so wie ihr uns nicht geholfen habt. Der Iran ist im Wesentlichen zerschlagen. Das Schwierigste ist geschafft. Holt euch euer eigenes Öl!“, fügte er hinzu. Der letzte Satz war wohl auch eine Anspielung darauf, dass die schwierigste Phase des Krieges aus seiner Sicht überstanden sei.

Hegseth: „Wir werden mit Bomben verhandeln“

Kurz darauf sprach US-Verteidigungsminister Pete Hegseth von einer möglichen Wendepunktphase. „In nur einem Monat haben wir die Bedingungen festgelegt – die kommenden Tage werden entscheidend sein“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Washington. Hegseth betonte, die USA wollten den Konflikt mit einem Abkommen beenden. „In der Zwischenzeit werden wir mit Bomben verhandeln“, sagte er. Zugleich ließ er offen, wie weit die USA militärisch gehen würden.

Auf die Frage nach einem möglichen Einsatz von Bodentruppen erklärte Hegseth, man werde dem Gegner keine Grenzen nennen. „Man kann keinen Krieg gewinnen, wenn man dem Gegner sagt, was man tun wird oder nicht tun wird“, sagte er. Es gebe mehrere Optionen, auch ein Einsatz am Boden sei nicht ausgeschlossen. Ob diese genutzt würden, ließ er offen. „Vielleicht funktionieren Verhandlungen“, sagte Hegseth. Entscheidend sei, „unberechenbar zu bleiben“.

Zugleich erhöhte der Minister den Druck auf Verbündete. Andere Staaten sollten „zuhören, wenn der Präsident spricht“, sagte er mit Blick auf Trump. Länder müssten militärisch mehr leisten.

Ende des Einsatzes auch ohne Öffnung der Hormus-Straße

Die USA und Israel sehen den Iran nach eigenen Angaben militärisch zunehmend geschwächt. Die Zahl der abgefeuerten Raketen und Drohnen sei zuletzt deutlich gesunken, sagte Hegseth. Einen historischen Tiefstand habe es in den vergangenen 24 Stunden gegeben. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Darstellung nicht. Auch am Dienstag meldeten Israel sowie mehrere Golfstaaten weitere Angriffe aus dem Iran, bei denen es zu Einschlägen und Verletzten kam.

Während Hegseth öffentlich weiteren Druck ankündigt, deuten Berichte aus Washington zugleich auf eine begrenztere Zielsetzung hin. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtet, ist Trump bereit, den militärischen Konflikt auch dann zu beenden, wenn die Straße von Hormus zunächst geschlossen bleibt.

In internen Beratungen sei Trump zu dem Schluss gekommen, dass ein militärischer Vorstoß zur Öffnung der Meerenge den Einsatz deutlich verlängern würde. Ein solcher Schritt würde über den ursprünglich angepeilten Zeitraum von vier bis sechs Wochen hinausgehen. Stattdessen konzentriere sich Washington darauf, zentrale militärische Ziele zu erreichen und die Kämpfe anschließend schrittweise herunterzufahren.

Dazu zählt nach Angaben von Regierungsvertretern vor allem, die iranische Marine zu schwächen sowie Raketenarsenale und militärische Infrastruktur zu beschädigen. Die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus soll zunächst auf diplomatischem Weg erreicht werden. Sollte das scheitern, könnten Verbündete in Europa und am Golf stärker eingebunden werden.