US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am Donnerstag bei einem Pentagon-Briefing zum Iran-Krieg kritische Journalisten mit den Pharisäern verglichen – jener jüdischen Gruppe, die im Neuen Testament als Widersacher Jesu dargestellt wird.
Er habe am Sonntag in der Kirche gesessen und gedacht: „Unsere Presse ist genau wie diese Pharisäer“, sagte Hegseth laut Reuters vor den versammelten Reportern. Gemeint seien nicht alle Journalisten, sondern die „Trump-hassende“ etablierte Presse. Die Pharisäer hätten selbst in guten Taten nur nach Verstößen gesucht, sagte Hegseth.
Weniger als eine Stunde nach dem Ende der Pressekonferenz meldete sich Papst Leo XIV., der erste US-amerikanische Papst, auf der Plattform X zu Wort. „Wehe denen, die Religion und den Namen Gottes für ihre eigenen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke manipulieren“, schrieb Leo, ohne Hegseth namentlich zu nennen. Die Äußerung fiel in einen bereits offenen Konflikt zwischen dem Vatikan und der Trump-Regierung, die den Krieg gegen den Iran religiös auflädt.
Woe to those who manipulate religion and the very name of God for their own military, economic, and political gain, dragging that which is sacred into darkness and filth. #ApostolicJourney #Cameroon https://t.co/bKteFZ3iWE
— Pope Leo XIV (@Pontifex) April 16, 2026
Gebet aus „Pulp Fiction“ im Pentagon
Bereits am Vortag hatte Hegseth bei einem seiner monatlichen Gottesdienste im Pentagon ein angebliches Soldatengebet vorgetragen. Dessen Wortlaut entspricht weitgehend einem Monolog von Samuel L. Jackson aus Quentin Tarantinos Film „Pulp Fiction“ von 1994, wie das US-Magazin People berichtete. In dem Film zitiert Jacksons Figur eine angebliche Bibelstelle aus Ezechiel 25:17, bevor sie einen Mann erschießt. Nur der letzte Satz des Monologs stammt tatsächlich aus der Bibel.
Hegseth verbindet in seiner Amtszeit christliche Sprache mit Kriegsführung. Bei einem früheren Pentagon-Gottesdienst betete er laut AP dafür, dass „jede Kugel ihr Ziel findet“, und rief zu „überwältigender Gewalt gegen jene, die keine Gnade verdienen“ auf. Historiker John Fea von der Messiah University sagte laut Reuters, US-Regierungen hätten in Kriegszeiten zwar stets den christlichen Glauben angerufen. Die Regierung von Donald Trump hebe sich jedoch durch ihre „unverblümte, eindeutige religiöse Sprache“ ab.
Kritik an religiöser Kriegsrhetorik
Ronit Stahl, Historikerin an der University of California in Berkeley, erklärte laut AP, das ausdrückliche Beten im Namen Jesu Christi durch einen Verteidigungsminister sei neu – zumal die US-Verfassung keine Staatsreligion vorsehe. Hegseth gehört laut AP der Communion of Reformed Evangelical Churches an, einem konservativen evangelikalen Kirchenverband, den Doug Wilson mitgegründet hat, der sich selbst als christlichen Nationalisten bezeichnet.
Die Organisation Americans United for Separation of Church and State, die sich für die Trennung von Kirche und Staat einsetzt, hat laut AP Klage gegen das Verteidigungsministerium eingereicht, um interne Unterlagen zu den Gottesdiensten offenzulegen. Präsidentin Rachel Laser erklärte, Hegseth missbrauche seine Regierungsposition und Steuergelder, um Bundesbediensteten seine Religion aufzuzwingen.


