Klassenchats auf dem Smartphone gehören für die große Mehrheit der Schüler in Deutschland zum Alltag – doch was dort geteilt wird, ist häufig problematisch. Das zeigt eine aktuelle Erhebung von Infratest dimap im Auftrag des WDR.
Demnach nutzen 82 Prozent der befragten 10- bis 16-Jährigen solche Gruppenchats. Mehr als ein Drittel von ihnen gab an, dort bereits belastende oder unangenehme Inhalte gesehen zu haben. Besonders häufig handelt es sich dabei um Beleidigungen oder Bloßstellungen, die sich gegen Mitschüler oder Lehrkräfte richten.
Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen berichtete, in den Chats bereits Mobbing oder die gezielte Ausgrenzung einer Person miterlebt zu haben. Seltener, aber dennoch verbreitet, sind Bilder und Videos mit Gewaltdarstellungen: Jeder vierte Befragte wurde bereits mit solchen Inhalten konfrontiert. Auch Gewaltaufrufe und Nacktbilder tauchen in den Gruppenchats auf.
Klassenchats dienen auch als Problemlöser
Die Chats sind allerdings nicht ausschließlich ein Ort für problematische Inhalte. Laut der Umfrage drehen sich die Gespräche überwiegend um schulische Themen, lustige Beiträge und private Unterhaltungen. Bei 61 Prozent der Schüler seien über die Chats bereits Probleme innerhalb der Klasse gelöst worden.
Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass die Beiträge in den Gruppenchats bei vielen Kindern und Jugendlichen emotionale Spuren hinterlassen. Zahlreiche Befragte gaben an, sich wegen der Inhalte Sorgen gemacht zu haben. Andere berichteten von einem Gefühl der Verpflichtung, ständig auf ihr Handy schauen zu müssen, um nichts zu verpassen. Einige hatten zeitweise keine Lust mehr, zur Schule zu gehen.
Für die Erhebung wurden insgesamt mehr als 1250 Schüler zwischen zehn und 16 Jahren online befragt. Die große Mehrheit von ihnen nutzte zum Zeitpunkt der Befragung Klassenchats.


