Der unbefristete Streik beim spanischen Bodendienstleister Groundforce hat nach Angaben der Gewerkschaften nach zwei Streiktagen zu Störungen an zwölf Flughäfen geführt. Die Gewerkschaft UGT erklärte am Mittwoch, Flüge seien ausgefallen, die durchschnittliche Verspätung habe bei fast einer Stunde pro Flug gelegen. Zudem seien tausende Gepäckstücke nicht verladen oder verspätet zugestellt worden. Die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete unter Berufung auf die Gewerkschaften UGT, USO und CCOO von einem „Kollaps“ im Bodenbetrieb.
Groundforce ist ein Bodendienstleister des Globalia-Konzerns und fertigt unter anderem Flüge von Air Europa ab und beschäftigt laut CCOO mehr als 3000 Mitarbeiter. Das Portal Público beziffert die Zahl der betroffenen Beschäftigten auf 5578 und nennt die Flughäfen Barcelona, Madrid, Alicante, Valencia, Palma de Mallorca, Ibiza, Málaga, Las Palmas, Teneriffa, Lanzarote, Fuerteventura und Bilbao. Die Groundforce-Beschäftigten sind dort für Gepäckabfertigung, Passagierbetreuung, Ticketverkauf und Boarding-Hilfe zuständig.
Streik mitten in der Osterreisewelle
Die drei Gewerkschaften hatten den unbefristeten Ausstand ab dem 30. März ausgerufen. Gestreikt wird laut Público jeweils montags, mittwochs und freitags in drei Zeitfenstern: von 5 bis 7 Uhr, von 11 bis 17 Uhr und von 22 bis 24 Uhr. Der Beginn fiel in die Osterreisewelle.
Público zufolge wurde der größte Reiseandrang ab dem 1. April erwartet, dem Vortag des ersten Osterfeiertags in vielen spanischen Regionen. Ursprünglich war der Streikbeginn für das Wochenende vom 28. und 29. März geplant, wurde dann aber auf den 30. März verschoben.
Im Kern geht es um einen Tarifstreit. CCOO, der größte spanische Gewerkschaftsbund, wirft der Unternehmensleitung vor, den Inflationsausgleich seit 2022 auszuhebeln. Zudem habe die Geschäftsführung vereinbarte Lohnerhöhungen für bestimmte Berufsgruppen eigenmächtig gekürzt. Das führe zu Ungleichheiten innerhalb der Belegschaft.
Gewerkschaft klagt über Streikbehinderungen
Der unabhängige Gewerkschaftsbund UGT erhob am 1. April schwere Vorwürfe gegen Groundforce. Das Unternehmen habe Beschäftigten, die ihr Streikrecht ausübten, schwerwiegende Disziplinarstrafen auferlegt. Die Gewerkschaft habe zudem bei der Arbeitsinspektion Anzeige erstattet, weil das Unternehmen Streikbrecher eingesetzt habe. Nach Angaben der Gewerkschaft war auch die Guardia Civil im Einsatz, um Spannungen vor Ort einzudämmen.
Die UGT, die zu den beiden großen Gewerkschaften des Landes zählt, bezeichnete das Vorgehen des Unternehmens als unverhältnismäßig und kündigte an, die Vorfälle auf dem Rechtsweg prüfen zu lassen. Zugleich erklärte die Gewerkschaft ihre Bereitschaft zum Dialog und forderte Groundforce auf, den Kurs gegenüber der Belegschaft zu ändern.


