Konjunktur

Großbritanniens Wirtschaft lahmt: Energiekrise trifft auf schwache Konjunktur

Die britische Wirtschaft ist zu Jahresbeginn nicht gewachsen. Zugleich steigen die Energiepreise, und Umfragen zeigen wachsende Unzufriedenheit mit der Labour-Regierung.

Skyline des Londoner Finanzdistrikts: Die britische Wirtschaft tritt auf der Stelle.
Skyline des Londoner Finanzdistrikts: Die britische Wirtschaft tritt auf der Stelle.Tayfun Salci/imago

Die britische Wirtschaft hat im Januar 2026 nicht zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt blieb im Monatsvergleich unverändert, wie das Office for National Statistics am Freitag mitteilte. Im Zeitraum von November bis Januar wuchs die Wirtschaftsleistung lediglich um 0,2 Prozent.

Die Daten der Statistikbehörde spiegeln eine schwache wirtschaftliche Dynamik zu Beginn des Jahres wider. Das Wachstum im Dreimonatsvergleich fiel gering aus, nachdem die Wirtschaft bereits in den Monaten zuvor nur langsam expandiert hatte. Die Wirtschaftsleistung bewegte sich damit insgesamt auf einem nahezu unveränderten Niveau.

Inflationserwartungen drücken auf die Stimmung

Nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Reuters verdeutlichen die Daten, dass die britische Wirtschaft schon vor dem jüngsten Anstieg der globalen Energiepreise wenig Schwung hatte. Großbritannien gilt wegen seiner Abhängigkeit von importiertem Gas als besonders anfällig für Preisschübe auf den internationalen Energiemärkten. Höhere Energiekosten können Unternehmen und Haushalte zusätzlich belasten und damit die wirtschaftliche Entwicklung bremsen.

Auch andere Beobachtungen deuten auf eine fragile Lage der Binnenkonjunktur hin. Der Guardian berichtet unter Verweis auf aktuelle Entwicklungen, dass steigende Energiepreise und die wirtschaftliche Unsicherheit den Druck auf Unternehmen und Verbraucher erhöhen. Vor diesem Hintergrund rückt die Entwicklung der Preise stärker in den Fokus der Wirtschaftspolitik.

Parallel veröffentlichte die Bank of England Ergebnisse ihrer Inflation Attitudes Survey für Februar. Die regelmäßig durchgeführte Umfrage zeigt, dass viele Haushalte weiterhin mit steigenden Preisen rechnen. Solche Inflationserwartungen können das Konsumverhalten beeinflussen und gelten als wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Stimmung im Land.

Schwache Werte auch für die Regierung Starmer

Die aktuellen Wirtschaftsdaten fallen damit in eine Phase wachsender Unsicherheit. Wie stark sich die steigenden Energiepreise auf die Konjunktur in den kommenden Monaten auswirken werden, lässt sich aus den aktuellen Daten noch nicht ableiten.

Auch politisch wächst angesichts der wirtschaftlichen Probleme der Druck auf die Regierung von Premierminister Keir Starmer. Umfragen zeigen, dass die Regierung derzeit häufiger auf Ablehnung als auf Zustimmung stößt. Zugleich verliert die sozialdemokratische Labour-Partei in Teilen der Wählerschaft an Rückhalt, während kleinere Parteien an Zustimmung gewinnen.

Diese Verschiebung zeigt sich auch bei einzelnen Nachwahlen. In einem früher sicheren Labour-Wahlkreis in Manchester fiel die Partei zuletzt hinter die Grünen und die rechtsgerichtete Reform-Partei zurück; ein  Hinweis auf ein weiteres Aufbrechen traditioneller Parteibindungen. Labour verliert demnach Stimmen sowohl an Parteien links von ihr als auch an die von Nigel Farage geprägte Reform-Partei am rechten Rand des politischen Spektrums.