Australien

Gratis-Nahverkehr in Victoria: Australischer Bundesstaat reagiert auf Spritpreiskrise

Züge, Trams und Busse sind in Victoria einen Monat lang kostenlos. Die Regierung spricht von einer befristeten Entlastung für Haushalte.

Der australische Bundesstaat Victoria reagiert auf Verknappung und steigende Preise von Kraftstoff mit einem Monat kostenlosem Nahverkehr.
Der australische Bundesstaat Victoria reagiert auf Verknappung und steigende Preise von Kraftstoff mit einem Monat kostenlosem Nahverkehr.dpa/Jay Kogler

Seit dem heutigen Dienstag können alle Fahrgäste in Victoria Züge, Straßenbahnen und Busse kostenlos nutzen – sowohl im Großraum Melbourne als auch im regionalen Bahn- und Busverkehr von V/Line, dem Betreiber des Regionalverkehrs in Victoria. Die Regelung gilt bis Ende April. Die Regierung des australischen Bundesstaates begründet den Schritt mit den steigenden Kraftstoffpreisen und dem Ziel, Autos von der Straße zu holen.

Victorias Premierministerin Jacinta Allan erklärte am Sonntag, sie wolle alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Bevölkerung bei den steigenden Spritkosten zu entlasten. „Das wird nicht jedes Problem lösen, aber es ist ein sofortiger Schritt, um den Menschen in Victoria jetzt zu helfen“, sagte Allan. Transportministerin Gabrielle Williams ergänzte, das Verkehrssystem könne die vorübergehend höhere Nachfrage bewältigen, weil die Regierung das Netz in den vergangenen Jahren ausgebaut habe.

Während des kostenlosen Monats müssen Fahrgäste ihre Chipkarten nicht einlesen. Wer versehentlich eincheckt, wird nicht belastet. Inhaber von Zeitkarten können ihr Abonnement pausieren oder sich Geld erstatten lassen. Wer mit V/Line-Bussen außerhalb des elektronischen Ticketsystems fährt, muss zwar weiter ein kostenloses Ticket buchen, um einen Sitzplatz zu sichern, zahlt dafür aber nichts.

Die Regierung betont, dass es sich um eine befristete Maßnahme handelt, nicht um eine dauerhafte Umstellung.

Andere Bundesstaaten reagieren unterschiedlich

Auch in Tasmanien sind Busse und Fähren seit dem 30. März bis zum 30. Juni kostenlos. Die Regierung des Bundesstaats schätzt die Kosten auf rund 850.000 australische Dollar (umgerechnet rund 508.000 Euro) pro Monat.

Andere Bundesstaaten gehen einen anderen Weg: Der Transportminister von New South Wales, John Graham, lehnte Gratis-Fahrten ab. Die Krise werde länger als einen Monat dauern, so Graham. Man müsse die finanziellen Mittel für eine längere Belastung zurückhalten. Auch der Regierungschef von Westaustralien, Roger Cook, lehnte kostenlose Fahrten ab und wies darauf hin, dass die Tarife in seinem Bundesstaat bereits auf einem historisch niedrigen Niveau lägen.

Hintergrund der Maßnahmen ist der Anstieg der Kraftstoffpreise in ganz Australien infolge des US-israelischen Angriffs auf den Iran. Laut Guardian Australia sind die wöchentlichen Tankkosten für einen durchschnittlichen Haushalt seit Ende Februar um mehr als 20 australische Dollar (umgerechnet rund 12 Euro) gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung die Kraftstoffsteuer für drei Monate halbiert und die Steuerlast je Liter um 26,3 Cent gesenkt, umgerechnet rund 16 Cent.

Queensland setzt seit 2024 auf dauerhaft niedrige Nahverkehrspreise von 50 Cent pro Fahrt, also knapp 30 Cent, und verzeichnete nach Angaben des Bundesstaats in mehreren Regionen Fahrgastzuwächse von 20 bis 24 Prozent.