„Fatale Entwicklung“

Ostdeutschland verliert letzten Solarglashersteller der EU: Glasmanufaktur Brandenburg muss schließen

Das Unternehmen aus Südbrandenburg konnte nicht gerettet werden. Deutschland und die EU sind jetzt vollständig abhängig von hoch subventionierten Importen aus Asien.

Brenner in der Produktionsstrecke der Glasmanufaktur Brandenburg.
Brenner in der Produktionsstrecke der Glasmanufaktur Brandenburg.IMAGO

Die Bemühungen, den südbrandenburgischen Solarglashersteller Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz vor der Insolvenz zu bewahren, sind gescheitert. Der vorläufige Insolvenzverwalter Knut Rebholz teilte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit, dass der interessierte Investor von der Übernahme Abstand genommen habe. Infolgedessen verlieren mehr als 200 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller und die Industriegewerkschaft IG BCE zeigten sich enttäuscht über diese Entwicklung. Mit der Schließung des Werks verliert die EU den letzten verbliebenen Solarglashersteller. Die Gewerkschaft rief für Montag zu einer Protestaktion in Tschernitz auf.

Kritik an mangelnder Unterstützung durch die Bundespolitik

Kritische Stimmen werfen der Bundespolitik vor, nicht entschieden genug gehandelt zu haben, um die Solarindustrie zu stützen. Wirtschaftsminister Keller bezeichnete die Situation als „fatale Entwicklung“. Er hatte sich in den vergangenen Monaten an die Bundesregierung gewandt, um die deutsche Solarindustrie vor Preisdumping aus China zu schützen.

Das Werk der Glasmanufaktur Brandenburg Tschernitz: 200 Jobs stehen auf dem Spiel.
Das Werk der Glasmanufaktur Brandenburg Tschernitz: 200 Jobs stehen auf dem Spiel.IMAGO

Die Beschäftigten der Glasmanufaktur Brandenburg befanden sich seit Monaten in Kurzarbeit, nachdem das Unternehmen im Sommer einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Die deutsche Solarindustrie befindet sich aufgrund hoher Energiepreise und des Preisdrucks aus China in einer schweren Krise.

Den Mitarbeitern wird nun gekündigt. Ab Dezember werden sie zunächst freigestellt, wie Fachanwalt Rebholz erklärte. Noch im September hatte er Chancen gesehen, den Standort zu erhalten.

Wirtschaftsminister zeigt Verständnis für Wut der Beschäftigten

Wirtschaftsminister Keller äußerte sein Mitgefühl für die Betroffenen: „Das ist eine schreckliche Nachricht für die Beschäftigten der GMB und ihre Familien. Ich kann die grenzenlose Enttäuschung nachempfinden und habe volles Verständnis für die große Wut und Verärgerung der Beschäftigten.“

Das Ministerium hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten gemeinsam mit verschiedenen Partnern Initiativen zum Erhalt des Standortes ergriffen. Seit 2022 gehörte die Glasmanufaktur in Tschernitz zu einem indischen Hersteller.

Anis Ben-Rhouma, stellvertretender Bezirksleiter der IG BCE Lausitz, betonte das Engagement der Beschäftigten: „Die Kolleginnen und Kollegen haben bis zuletzt alles getan, um dieses Werk zu retten. Dass der Investor jetzt aussteigt, lässt die Menschen im Stich und zerstört das Vertrauen, das viele in den Prozess gesetzt haben.“

Die Gewerkschaft kritisiert, dass Deutschland und die EU in einem zentralen Bereich der grünen Transformation vollständig abhängig von hoch subventionierten Importen aus Asien werden.