US-Vizepräsident JD Vance hat Befürchtungen zurückgewiesen, ein militärischer Schlag gegen den Iran könne die USA in einen langwierigen Nahostkrieg verwickeln. Es bestehe „keine Chance“, dass ein solcher Angriff die USA „jahrelang in einen Krieg“ ziehe, sagte Vance am Donnerstag (Ortszeit) der Washington Post. Zwar würden alle die „diplomatische Option“ bevorzugen – es hänge aber davon ab, „was die Iraner tun“.
Gleichzeitig gerät Trumps Begründung für einen möglichen Militäreinsatz unter Druck. In seiner Rede zur Lage der Nation hatte der Präsident behauptet, Teheran arbeite an Raketen, die „bald“ die USA erreichen könnten.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird diese Darstellung von den US-Nachrichtendiensten jedoch nicht gestützt. Drei mit der Materie vertraute Quellen erklärten dem Bericht zufolge, sie hätten keine Kenntnis entsprechender Geheimdiensteinschätzungen. Entsprechende Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen.
Nicht genug Know-how für Interkontinentalraketen
Eine Analyse der Defense Intelligence Agency (DIA) von 2025 geht demnach davon aus, dass der Iran frühestens im Jahr 2035 eine einsatzfähige Interkontinentalrakete entwickeln könnte. US-Außenminister Marco Rubio formulierte es laut Reuters vorsichtiger: Der Iran befinde sich „auf einem Weg, eines Tages“ solche Waffen zu entwickeln.
Der frühere UN-Waffeninspekteur David Albright erklärte gegenüber Reuters, dem Iran fehle es noch an Technik für einen funktionsfähigen Wiedereintrittsflugkörper – ein Bauteil, das Sprengköpfe beim Wiedereintritt in die Atmosphäre schützt. Zudem hätten israelische Luftangriffe wichtige Raketenproduktionsstätten schwer beschädigt.
Indirekte Gespräche in Genf mit „Fortschritten“
Parallel laufen weiter diplomatische Bemühungen. Am Donnerstag schlossen die USA und der Iran unter omanischer Vermittlung indirekte Gespräche in Genf ab.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete die Runde auf der Plattform X als „die bisher intensivste“ und sprach laut AFP im Staatsfernsehen von „sehr ernsthaften“ Verhandlungen über Atomfrage und Sanktionen. Die Gespräche sollen am Montag in Wien auf Expertenebene fortgesetzt werden, unter Beteiligung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Araghtschi wies gegenüber India Today TV den Vorwurf zurück, der Iran entwickle Langstreckenraketen: „Wir wollen keine globale Bedrohung sein.“ Die Reichweite sei bewusst auf unter 2000 Kilometer begrenzt.
Die Gräben zwischen beiden Seiten sind tief: Teheran will die Gespräche auf Atomprogramm und Sanktionen beschränken, Washington fordert die Einbeziehung des iranischen Raketenprogramms und der Unterstützung militanter Gruppen wie der Hamas und Hisbollah.
Trump hat ein Ultimatum bis Anfang März gesetzt und die US-Militärpräsenz am Persischen Golf massiv verstärkt. Das Atomabkommen von 2015 hatte Trump bereits 2018 einseitig aufgekündigt. Der Iran bestreitet, eine Atombombe anzustreben, hat Uran laut IAEA aber teils bis nahe an waffenfähiges Niveau angereichert.


