Nahostkonflikt

Gazakrieg: Ministerium meldet über 60.000 tote Palästinenser

Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen meldet über 60.000 Tote seit Kriegsbeginn. Bei einem Zwischenfall nahe einem Verteilzentrum sollen erneut Zivilisten getötet worden sein.

Eine Mutter trauert um ihr dreijähriges Kind, das bei einem Bombardement Israels im Gazastreifens getötet wurde.
Eine Mutter trauert um ihr dreijähriges Kind, das bei einem Bombardement Israels im Gazastreifens getötet wurde.dpa

Im Gazastreifen ist nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums die Zahl der Todesopfer im Krieg zwischen Israel und der Hamas auf über 60.000 gestiegen. Gleichzeitig wurden bei einem Zwischenfall nahe eines Hilfszentrums offenbar erneut Dutzende Palästinenser getötet und verletzt.

Wie das von der Hamas kontrollierte Ministerium am Dienstag mitteilte, seien seit Beginn des Kriegs am 7. Oktober 2023 insgesamt 60.034 Menschen getötet und weitere 145.870 verletzt worden. Die Behörde machte keine Angaben dazu, wie viele der getöteten Zivilisten oder bewaffnete Kämpfer waren. In der Vergangenheit hieß es jedoch, etwa die Hälfte der Todesopfer seien Frauen und Kinder.

Obwohl das Gesundheitsministerium Teil der Hamas-Regierung ist, gelten seine Zahlen unter Vereinten Nationen und unabhängigen Beobachtern als die verlässlichste Quelle zur Erfassung der Opferzahlen im Gazastreifen. Die Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Humanitäre Lage im Gazastreifen weiter katastrophal

Seit dem Großangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023, bei dem etwa 1200 Menschen getötet und über 250 entführt wurden, führt Israel eine umfassende Militäroffensive im Gazastreifen durch. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind laut UN-Angaben mittlerweile vertrieben worden, viele leben unter prekären Bedingungen in provisorischen Unterkünften. Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer drohenden Hungersnot.

Im März hatte Israel die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten zeitweise komplett blockiert – nach Angaben der AP für zweieinhalb Monate. Seitdem kamen bei israelischen Angriffen laut dem Gesundheitsministerium mindestens 8867 weitere Palästinenser ums Leben.

US-Präsident Donald Trump distanzierte sich in seltener Deutlichkeit von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Anlass sind Äußerungen Netanjahus, wonach es im Gazastreifen weder eine gezielte Aushungerungspolitik noch eine Hungersnot gebe. Trump widersprach öffentlich: „Diese Kinder sehen sehr hungrig aus. Das ist echte Hungersnot“, sagte er am Montag während eines Treffens mit dem britischen Premierminister Keir Starmer in Schottland.

Tote bei Zwischenfall nahe Hilfszentrum

Erneut kam es Berichten zufolge bei einer humanitären Hilfslieferung zu einem tödlichen Zwischenfall. Nach palästinensischen Angaben sollen am Montag mindestens 13 Menschen in der Nähe eines Verteilzentrums im Zentrum des Gazastreifens getötet worden sein. Rund 105 weitere Personen wurden verletzt, teilten medizinische Kreise aus dem nahe gelegenen Al-Auda-Krankenhaus mit.

Der Vorfall ereignete sich unweit des sogenannten Nezarim-Korridors, wo sich eines der vier Hilfszentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) befindet. Die israelisch-amerikanische Organisation steht seit Wochen international in der Kritik, da Hilfesuchende ihre Einrichtungen nur über lange, gefährliche Wege erreichen können – häufig durch aktive Kampfzonen.

Die Angaben zum Vorfall konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden. Das israelische Militär äußerte sich bislang nicht. In der Vergangenheit hatte die Armee jedoch wiederholt erklärt, ihre Soldaten gäben nur Warnschüsse in die Luft ab, wenn sich große Menschenmengen unkontrolliert auf die Hilfszentren zubewegten.

Laut UN-Angaben kamen seit Beginn der GHF-Mission rund 900 Menschen in der Nähe solcher Zentren ums Leben – viele davon durch Schüsse, während sie auf Hilfsgüter warteten. Israel weist diese Vorwürfe zurück.