US-Präsident Donald Trump hat sich am Montag in seltener Deutlichkeit von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu distanziert. Anlass sind Äußerungen Netanjahus, wonach es im Gazastreifen weder eine gezielte Aushungerungspolitik noch eine Hungersnot gebe. Trump widersprach öffentlich: „Diese Kinder sehen sehr hungrig aus. Das ist echte Hungersnot“, sagte er während eines Treffens mit dem britischen Premierminister Keir Starmer in Schottland.
Ein hochrangiger US-Beamter erklärte gegenüber NBC News, Trump sei „verstört“ gewesen von den Bildern, die er in TV-Berichten gesehen habe. Der Präsident selbst sagte: „Man kann das nicht fälschen. Das ist real.“
Israel warf den Verbreitern von Bildern ausgehungerter Kinder zuletzt vor, gezielte Propaganda über soziale Medien zu betreiben. Viele der Aufnahmen seien mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt worden, hieß es – teils sogar auf Grundlage älterer Archivbilder. In einigen Fällen konnte dies tatsächlich nachgewiesen werden.

Neues Hilfspaket für Gaza angekündigt
Laut dem Weißen Haus hat Trump bereits 60 Millionen US-Dollar an humanitärer Hilfe für Gaza freigegeben, doch die geplante Ausweitung der Hilfen soll deutlich weitergehen. Trump will gemeinsam mit internationalen Partnern – darunter Großbritannien und EU-Staaten – Hilfslager im Gazastreifen errichten, um die Verteilung von Lebensmitteln zu verbessern. Die Details seien noch in Arbeit, so Regierungssprecherin Anna Kelly: „Präsident Trump will das Leid der Menschen in Gaza lindern, weil er ein Herz für humanitäre Fragen hat.“
Kritik von der Basis – und erste politische Frontverschiebung
Trumps Kurswechsel wird von Teilen seiner politischen Basis begrüßt, die sich zuletzt auffallend kritisch gegenüber Israel gezeigt hatten. Auf der Plattform X forderte der Podcaster Theo Von am Wochenende: „Bringt Hilfe nach Gaza – jetzt! Kinder verhungern!“ Auch die republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene schrieb: „Was in Gaza passiert, ist ebenso entsetzlich wie das Massaker am 7. Oktober in Israel. Dieser Krieg und diese humanitäre Krise müssen enden.“
UN: Hungerkrise im Gazastreifen spitzt sich dramatisch zu
UN-Organisationen und medizinische Einrichtungen berichten seit Monaten von einer sich zuspitzenden Hungerkrise im Gazastreifen. Nach Angaben der WHO starben allein im Juli mindestens 63 Menschen an den Folgen von Mangelernährung, darunter 24 Kinder unter fünf Jahren. Die Gesundheitsbehörde in Gaza, von der UN als verlässliche Quelle anerkannt, nennt sogar 82 Todesfälle. Hilfstransporte erreichen die Notleidenden oft nicht – sei es durch Angriffe, Plünderungen oder bürokratische Hürden.
Symbolik mit Wirkung
Trumps Hinwendung zur humanitären Hilfe erinnert an frühere Reaktionen auf Bilder aus Krisengebieten: 2017 ließ er als Reaktion auf Aufnahmen syrischer Giftgas-Opfer Raketen auf Assad-Stellungen abfeuern. Auch jetzt sei es das Bildmaterial gewesen, das seinen Kurs verändert habe, heißt es aus dem Weißen Haus.
Ob Trumps Kritik an Netanjahu zu einem nachhaltigen Kurswechsel in der US-Israel-Politik führt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der frühere Präsident sendet ein Signal – an internationale Partner, seine eigene Basis und an Jerusalem.


