Restaurants

Gastronomie-Krise: Immer mehr Restaurants müssen schließen

Die deutsche Gastronomie steckt in einer Dauerkrise. Insolvenzen und Schließungen nehmen zu, Umsätze sinken.

24.500 Schließungen von Restaurants, Gaststätten und Lokalen in den vergangenen beiden Jahren: Die deutsche Gastronomie steckt in der Krise.
24.500 Schließungen von Restaurants, Gaststätten und Lokalen in den vergangenen beiden Jahren: Die deutsche Gastronomie steckt in der Krise.Kira Hofmann/dpa

In Deutschland haben im Jahr 2025 rund 2900 Gastronomie-Betriebe Insolvenz angemeldet – fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 2011 nicht mehr. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Creditreform hervor.

Seit 2020 liegt die Zahl der Pleiten bei mehr als 11.200. Parallel dazu gaben zehntausende Betriebe auf, ohne ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen: Allein 2024 und 2025 stellten bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Lokale den Betrieb ein. Die Zahl der Pleiten hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt. Zu den prominentesten Opfern zählen die Ketten Sausalitos und Vapiano.

„Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Gastronomie-Umsätze brechen ein

Laut Hantzsch können viele Wirte angesichts hoher Lohnkosten nicht mehr rentabel arbeiten. Gleichzeitig bestellten die Menschen häufiger Essen nach Hause, statt ins Lokal zu gehen. „Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz“, so Hantzsch. Eine YouGov-Umfrage vom Februar bestätigt den Trend: 42 Prozent der Befragten gaben an, bei Freizeitaktivitäten wie Restaurantbesuchen, Kino und Konzerten am stärksten zu sparen.

Auch in Berlin zeigt sich die Krise. Laut Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg sank der Realumsatz in der Hauptstadtgastronomie 2025 um 2,5 Prozent, im Jahr davor sogar um 4,3 Prozent. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht bundesweit vom sechsten Jahr mit realen Umsatzverlusten in Folge. Die Kosten für Waren, Personal und Energie haben laut Dehoga seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent zugelegt.

Trotz Senkung der Mehrwertsteuer: Mehr Insolvenzen erwartet

Zu Jahresbeginn wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Bei den Gästen kommt davon bislang wenig an: Laut einer Analyse des Datenspezialisten Meoton, der mehr als 200.000 Preise auswertete, sanken die Preise nur minimal. Viele Gastronomen hatten angekündigt, die Entlastung zum Ausgleich gestiegener Kosten zu nutzen, statt die Preise zu senken. „Für viele Unternehmen kommt diese Entlastung vermutlich zu spät“, warnt Hantzsch.

Die finanzielle Substanz der Branche ist dünn: Bei knapp 39 Prozent der Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote unter 10 Prozent, etwa jeder dritte Betrieb schreibt rote Zahlen. Hantzsch erwartet deshalb für 2026 einen weiteren Anstieg der Insolvenzen. „Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben“. (mit dpa)