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Folgen des Iran-Krieges: Europäische Airlines fordern Notfallmaßnahmen von der EU

Der Krieg im Nahen Osten betrifft auch Lieferungen von Flugzeugtreibstoffen nach Europa. Ein großer Branchenverband drängt die EU zu Maßnahmen.

Lufthansa-Flugzeuge stehen am BER.
Lufthansa-Flugzeuge stehen am BER.Carsten Koall/dpa

Einige der größten europäischen Fluggesellschaften drängen die EU zu Notfallmaßnahmen, um die Folgen des Iran-Krieges für die Luftfahrtbranche abzufedern. Dies geht aus einem Dokument des Branchenverbands Airlines for Europe (A4E) hervor, das Bloomberg und Reuters vorliegt. Dem Verband gehören laut Bloomberg etwa Lufthansa, Air France-KLM und die British-Airways-Mutter IAG an.

Der Branchenverband fordert den Berichten zufolge ein umfangreiches Maßnahmenpaket, darunter die Abschaffung von Luftverkehrssteuern, ein EU-weites Monitoring der Kerosinversorgung, die vorübergehende Aussetzung des europäischen Emissionshandels für die Luftfahrt sowie Erleichterungen für Airlines, die zusätzlichen Treibstoff mitführen müssen. Zudem solle die EU den Import von sogenanntem Jet-A-Kraftstoff erlauben, der vorwiegend in den USA verwendet wird.

Warnungen vor Kerosinknappheit in Europa

Der Krieg im Nahen Osten hat die Ölpreise in die Höhe getrieben und zu weitreichenden Luftraumsperrungen geführt. Die EU-Luftfahrtsicherheitsagentur EASA hat laut Reuters europäischen Airlines den Betrieb im Luftraum mehrerer Golfstaaten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar, bis mindestens 24. April untersagt.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Sommer- und Urlaubssaison wächst in der Branche die Sorge vor Treibstoffengpässen, wie Bloomberg berichtet. Der Flughafenverband ACI Europe warnte vergangene Woche, dass Europa innerhalb von drei Wochen mit einer systemischen Kerosinknappheit rechnen müsse, sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt bleiben.

Verband schlägt EU-Einkauf von Kerosin vor

A4E schlägt Reuters zufolge einen gemeinsamen Einkauf von Kerosin vor – ein Modell, das die EU bereits 2022 beim gemeinsamen Gaseinkauf nach dem Rückgang russischer Gaslieferungen angewandt hatte. Auf Öl oder Kerosin wurde dieses Verfahren bislang nicht übertragen.

Außerdem fordert der Verband, eine bestehende EU-Vorgabe zu ändern, wonach Mitgliedstaaten Ölreserven für 90 Tage vorhalten müssen – diese Regelung umfasst derzeit keine spezifische Kerosinquote. Ferner sollen Fluggesellschaften nicht bestraft werden, wenn sie Flughafenslots wegen Luftraumsperrungen oder Treibstoffengpässen nicht nutzen können.

Treibstoff-Versorgungsprobleme in „naher Zukunft“?

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte laut Reuters am Dienstag, es gebe derzeit „keine Anzeichen für eine Treibstoffknappheit“. Versorgungsprobleme könnten jedoch in „naher Zukunft“ auftreten. „Die Rohölversorgung der europäischen Raffinerien bleibt stabil, sodass derzeit keine zusätzlichen Lagerabgaben erforderlich sind. Dies bleibt jedoch unser Hauptanliegen“, so der Sprecher.

Die EU-Kommission hat angekündigt, am 22. April ein Maßnahmenpaket vorzulegen, um die Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiemärkte abzumildern. Ob darin spezifische Kerosinmaßnahmen enthalten sein werden, ist laut Reuters noch offen.