Großbritannien

Explosionen in der Nacht: Brandanschlag auf jüdische Rettungswagen in London

Vier Fahrzeuge des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola wurden im Londoner Stadtteil Golders Green in Brand gesetzt. Die Polizei sucht drei Verdächtige.

Die Londoner Polizei sperrt eine Straße nachdem vier Krankenwagen des Rettungsdienstes Hatzola in Brand gesetzt wurden.
Die Londoner Polizei sperrt eine Straße nachdem vier Krankenwagen des Rettungsdienstes Hatzola in Brand gesetzt wurden.Alberto Pezzali/AP

Unbekannte haben in der Nacht zum Montag vier Rettungswagen eines jüdischen Ambulanzdienstes im Londoner Stadtteil Golders Green angezündet. Die Metropolitan Police stuft den Vorfall als antisemitisches Hassverbrechen ein und fahndet nach drei Tatverdächtigen.

Die Feuerwehr wurde gegen 1.40 Uhr Ortszeit in die Highfield Road gerufen, nachdem Anwohner Feuer gemeldet hatten. Sechs Löschfahrzeuge und rund 40 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen, der erst gegen 3.06 Uhr unter Kontrolle gebracht werden konnte, wie die Londoner Feuerwehr mitteilte. Durch die Hitze explodierten mehrere Sauerstoffflaschen in den Fahrzeugen, wodurch Fenster eines angrenzenden Wohnblocks zu Bruch gingen. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand.

Jüdische Gemeinde in Golders Green besonders groß

Bei den betroffenen Fahrzeugen handelt es sich um Rettungswagen der Organisation Hatzola. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen, jüdischen Rettungsdienst, der seit 1979 ehrenamtlich medizinische Notfallversorgung in der Region leistet und Patienten kostenlos in Krankenhäuser transportiert. Golders Green ist für seine große jüdische Gemeinde bekannt.

Dutzende Anwohner mussten in den frühen Morgenstunden ihre Wohnungen verlassen. Rund 30 Menschen wurden in einer Notunterkunft untergebracht, wie die BBC berichtete. Straßensperrungen blieben zunächst bestehen.

Polizei-Superintendentin Sarah Jackson, zuständig für das Gebiet, erklärte: „Wir wissen, dass dieser Vorfall große Besorgnis in der Gemeinde auslösen wird.“ Die Ermittler werteten Überwachungsvideos aus und wüssten auch von privat aufgenommenem Material. Bislang gebe es keine Festnahmen. Zeugen wurden aufgerufen, sich zu melden – auch anonym.

Der örtliche Gemeinderat Shimon Ryde betonte gegenüber der BBC, dass sich die Fahrzeuge direkt neben einer Synagoge befanden. „Es ist sehr schockierend, aber nicht unerwartet“, sagte Ryde. „Die jüdische Gemeinde ist sich der Gefahr, in der wir leben, sehr bewusst.“

Die Nachbarschaftswache Shomrim, eine gemeinnützige Organisation im Viertel, bestätigte die nächtlichen Explosionen und stellte laut Guardian klar, dass diese durch Sauerstoffflaschen und nicht durch Sprengstoff verursacht worden seien.

Die Polizei kündigte zusätzliche Patrouillen im Viertel an und erklärte, sie stehe im Austausch mit Vertretern religiöser Gemeinden.