Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die Mitgliedsstaaten des südostasiatischen Staatenbundes Asean davor gewarnt, ihre derzeitigen Treibstoffengpässe durch zusätzliche Öllieferungen aus Russland auszugleichen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt von Brunei.
Äußerung am Rande des Asean-EU-Treffens
Kallas äußerte sich nach einem Treffen mit den Außenministern der Asean-Staaten am Rande des 25. Asean-EU-Ministertreffens. „Ich möchte nur daran erinnern: Russland nutzt seine Öleinnahmen, um diesen Krieg zu finanzieren“, sagte sie laut Reuters vor Journalisten. Die EU habe ein Interesse daran, dass dieser Krieg ende. „Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Bezugsquellen zu diversifizieren und sie anderswo zu finden, nicht in Russland."Ob Kallas das Thema auch in der Ministersitzung selbst angesprochen hat, ließ sie laut Reuters offen.
The European Union and ASEAN share a common interest in regional stability and a rules-based international order.
— Kaja Kallas (@kajakallas) April 28, 2026
We already work closely together on many issues, including trade, security, climate and human rights. Today, we focused on how we can further deepen our ties.
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Die Asean wurde 1967 von Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand gegründet; inzwischen gehören ihr mit Brunei, Kambodscha, Laos, Myanmar, Vietnam und dem 2025 aufgenommenen Ost-Timor elf Staaten Südostasiens an. Der Staatenbund ist kein supranationales Gebilde nach EU-Vorbild, sondern vor allem ein Forum für politische Abstimmung, wirtschaftliche Integration, Sicherheitsdialog und technische Zusammenarbeit.
Die Asean soll eine politisch sehr unterschiedliche Region zusammenhalten, gemeinsame Mindestpositionen gegenüber Großmächten formulieren und Handel, Investitionen, Infrastruktur, Katastrophenschutz und regionale Regeln schrittweise koordinieren. Entscheidungen basieren auf dem Konsens der Mitgliedsstaaten.
Hintergrund der Engpässe bei der Ölversorgung ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der zur faktischen Schließung der Straße von Hormus geführt hat. Russland habe von dieser Lage profitiert, sagte Kallas laut Reuters. Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fließt unter normalen Bedingungen rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasangebots. Auch Düngemittel und Pharmazeutika werden laut Reuters über diese Route transportiert.
Neues Sanktionspaket gegen Moskau
Die EU hatte in diesem Monat ein neues Sanktionspaket gegen Russland beschlossen, das auch verschärfte Beschränkungen für den Ölhandel umfasst. Erklärtes Ziel ist es, die Möglichkeiten Moskaus zur Finanzierung des Krieges in der Ukraine einzuschränken.
Zu den südostasiatischen Staaten, die nach Reuters-Berichten verstärkt Öl aus Russland beziehen wollen, zählen Vietnam, Thailand, Indonesien und auch die Philippinen. Wirtschaftlich ist das südostasiatische Land besonders verwundbar, weil die Philippinen fast ihr gesamtes Rohöl aus dem Nahen Osten beziehen; wichtigster Lieferant ist Saudi-Arabien.
Mit rund 684 Millionen Einwohnern im Jahr 2024, einer Wirtschaftsleistung von etwa 3,9 Billionen Dollar und dem Anspruch, als zusammengenommen fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter aufzusteigen, hat die Asean erhebliches Gewicht in Lieferketten, für Energiefragen, Seehandel und in den geopolitischen Konfliktlinien zwischen China, den USA, Japan, Indien und der EU.


