Russland hat eine Ankündigung Finnlands kritisiert, ein jahrzehntelanges Verbot für die Stationierung von Atomwaffen auf eigenem Territorium aufheben zu wollen. „Indem Finnland Atomwaffen auf seinem Territorium stationiert, beginnt es, uns zu bedrohen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax.
Der finnische Verteidigungsminister Antti Häkkänen hatte einem Reuters-Bericht zufolge am Donnerstag erklärt, der Schritt sei notwendig, um die „Abschreckungs- und kollektive Verteidigungskraft der Nato voll auszuschöpfen“. Die vorgeschlagene Änderung wird nun dem Parlament vorgelegt.
Macron kündigte Ausbau des Nukleararsenals an
Peskow sagte dazu, Russland werde „entsprechende Maßnahmen“ ergreifen, sollte Finnland tatsächlich Nuklearwaffen stationieren. „Diese Aussage führt zu einer Eskalation der Spannungen auf dem europäischen Kontinent“, sagte er weiter und warnte, ein solcher Schritt könne die „Verwundbarkeit“ Finnlands verstärken.
Der finnische Präsident Alexander Stubb sagte laut Reuters während einer Reise nach Indien, es gehe nicht darum, dass Finnland einer „akuten oder plötzlichen Sicherheitsbedrohung“ ausgesetzt sei. „Es geht darum sicherzustellen, dass wir uns uneingeschränkt an der nuklearen Planung der Nato beteiligen können“, so Stubb.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Anfang der Woche angekündigt, das französische Nukleararsenal auszubauen und auch anderen europäischen Ländern die Teilnahme an französischen Atomübungen zu ermöglichen. Frankreich und Deutschland gaben zudem die Gründung einer Gruppe bekannt, die Fragen der Abschreckung erörtern soll.
Stubb erklärte laut Reuters, Finnland wolle keine Atomwaffe auf seinem Territorium, werde sich jedoch auch nach seinen Nachbarländern richten. Zuvor hatte sich Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson zu der Frage geäußert, ob sein Land bereit sei, französische Atomwaffen zu beherbergen.
Kristersson sagte dem Bericht zufolge, Schweden lehne es ab, in Friedenszeiten ausländische Truppen oder Atomwaffen dauerhaft im Land zu stationieren. „Wenn wir uns in einer völlig anderen Situation befänden, wäre diese spezielle Formulierung nicht anwendbar“, fügte er hinzu. Russland hatte den französischen Vorstoß als „äußerst destabilisierende Entwicklung“ und mögliche Bedrohung bezeichnet.

